Home
Wettbewerb
Musik
Termine
Arbeitsgruppe
Partner
die Projekte

Frau Dr. Henriette Meynen (Stadtkonservator)
schreibt für den Landeskonservator
über den KÖLNER STADTGARTEN und PRO STADGARTEN

Erstmalig in Köln engagierte sich eine Bürgerinitiative für ein Gartendenkmal und gründete im Juni 2000 einen eingetragenen Verein “PRO STADTGARTEN e.V.” Die Erkenntnis des zu starken Nutzungsdruckes, dem dieser Park gegenwärtig ausgesetzt ist, bildete den Anlass für die Anwohner des Stadtgartens in der nordwestlichen Kölner Neustadt sich zusammenzuschließen, um den “Schutz und die Gestaltung des Kölner Stadtgartens und seiner unmittelbaren Umgebung” (vgl. Satzung des Vereins § 2.2) zu erwirken.
Das Fußballspielen und die Grillfeiern auf dem Rasen sowie der zunehmende Hundekot u. a. schadet dem natürlichem Wachstum der Pflanzen. Auch des nachts ist der Natur keine Ruhepause gegönnt. Im am Parksaum gelegenen Restaurant finden überregional bedeutende Jazzkonzerte statt, wodurch es nicht nur zu einer Beschallung des Parkraumes kommt, sondern auch einer weiteren Frequentierung des grünen Umfeldes des Restaurants bis in die späte Nacht hinein. Gestalt und Funktion des Parkrestaurants ist trotz der langen Tradition vor Ort infolge des mangelhaften Wiederaufbaus der Restaurationsanlage nicht mehr auf den Park abgestimmt.
Die Bürgerinitiative PRO STADTGARTEN, die auch den Gaststättenbetreiber für ihre Belange gewonnen hat, knüpfte von Anfang an Kontakte zu den zuständigen städtischen Ämtern. Der Stadtkonservator und auch das Amt für Landschaftspflege und Grünflächen wurde so unmittelbar vor Eintragung des Vereins ins Vereinsregister im Juni 2000 über eine derartige Gründung unterrichtet und um Rat und Information zwecks einer sinnvollen Vorgehensweise gebeten.

Diese Initiative zur Sanierung oder auch Optimierung des Stadtgartens weist Parallelen zu seiner Gründung auf. Der Stadtgarten, der älteste erhaltene Kölner Park, ist auf Veranlassung der „Commission für öffentliche Anlagen und Verschönerung der Stadt“ entstanden. Der Commission gehörten außer Kölner Bürgern auch Beigeordnete der Kölner Stadtverordnetenversammlung, der Stadtbaumeister Weyer, der Stadtgärtner Berkenkamp und der Oberbürgermeister Steinberger an.

Der Parkentwurf stammt von Jakob Greiß und in den Jahren 1827-29 wurde er auf einer etwa elf Hektar großen, annähernd quadratischen Fläche als Schmuckanlage mit angegliederter Baumschule verwirklicht. Während seiner knapp 175jährigen Geschichte erfuhr der Stadtgarten verschiedenerlei Abänderungen. Ziel der Erholungsanlage war es, wie Greiß es in seinem Schreiben vom 15. 5. 1827 an das Oberbürgermeisteramt formulierte, “durch Anordnung gefälliger Szenerie..unseren Gefühlen zu schmeicheln“ und uns „dem Betriebe eines geschäftigen Lebens zu entrücken“ (zitiert nach Müller, Heike: Denkmalwert und Nutzungspotential des Stadtgartens in Köln. Bestandsanalyse, Beurteilung, Entwicklungskonzept, Dresden, Diplomarbeit 2001). Diese für die damalige Zeit übliche Auffassung war hier noch zudem verbunden mit dem praktischen Ziel, eine Baumschule anzulegen, um den “großen Haushalt der Natur, mit der Schönheit enger zu einigen” (Zitat nach Müller, s.o.). Die Stadtverordnetenversammlung plante die Parkanlage vor allem als Schmuckanlage mit reichem Blumenbestand als Repräsentationsanlage zur Ausschmückung der Stadt. Während seiner knapp 175jährigen Geschichte erfuhr der Stadtgarten verschiedenerlei Abänderungen.

Als 1857 der Botanische Garten wegen des Baues des Kölner Hauptbahnhofes geschlossen werden mußte, sollte der Stadtgarten die Ersatzfläche für die dortigen Besucher bieten und erhielt daher um jene Zeit zahlreiche seltenere Pflanzen aus dessen Bestand. Um dem Kölner vollen Ausgleich für die weggefallene Anlage zu bieten, wurde die Baumschule, deren Erfolg inzwischen rückläufig war, in die öffentliche Parkanlage einbezogen. Nach Vorlage von zwei Entwürfen 1860 und 1864 entschied sich die Verschönerungskommission schließlich für den dritten Entwurf, den der damalige Stadtgärtner Anton Strauß im Oktober 1864 vorlegte und die Stadtverordnetenversammlung zur Ausführung beschloss. Nach dem Straußschen Plan entstand ein allmählicher Übergang von der lichten Zieranlage des schon immer öffentlichen Teils des Stadtgartens zu einer mehr waldartigen Neuanlage anstelle der ehemaligen gewerblich genutzten Baumschule. Schon damals legte man im Südwesten an der Venloer Straße ein Restaurationsgebäude an. Insgesamt war die neue Parkanlage von einem engmaschigen geschwungenen Wegenetz durchsetzt. „Während die äußeren Wege langgezogene Schleifen formten, waren die im Innern der Anlage sehr kurvig und bildeten oft angeschnittene Kreisbahnen.“(Müller, H. S. 21). Schon damals legte man im Südwesten an der Venloer Straße ein Restaurationsgebäude an.

Als um 1880 der innere Festungsgürtel aufgegeben werden konnte, die Kölner Neustadt um die mittelalterliche Stadt Köln ab 1881 entstand sowie die Eisenbahnlinie am Neustadtrand angelegt wurde, mußte der Stadtgarten wegen der neuen Eisenbahntrasse mit dem Westbahnhof im Bereich der ehemaligen Baumschule auf die Hälfte reduziert werden. Wegen des Wegfalls der Festungswerke an beiden Seiten  der eigentlichen Schmuckanlage wurden auch im verbliebenen Teil kleinere Begradigulngen am Rande vorgenommen. Adolf Kowallek, der als neuer Kölner Gartendirektor, die Planung des Grüns in der Kölner Neustadt übernahm, gestaltete 1888-1890 den Stadtgarten aufgrund seines reduzierten Umfanges und seiner neuen Lage inmitten des neuen Stadterweiterungsgebietes um. Er übernahm soweit möglich den Bestand. Vereinfachte aber die Wegeführung, wodurch sie weitmaschiger wirkte, schuf neue Zugänge an den hinzugekommenen Straßenmündungen und legte u.a. eine Sichtachse zwischen Park und der am Ostrand des Parks damals erst geplanten Christuskirche an. An der den Stadtgarten im Süden begrenzenden Venloer Straße wurde ein neues Restaurationsgebäude und an der Spichernstraße ein neue Gärtnerwohnung errichtet. Die gesamte Anlage erhielt eine Einfriedung mit zwei schmiedeeisernen Toren an den beiden Haupteingängen (Venloer Straße/Spichernstraße und Gilbachstraße/Spichernstraße). 1911 prägte den Park noch das gewünschte Erscheinungsbild. So heißt es in einem Führer von 1911: „Wie herrlich läßt es sich hier auf wohl gepflegten Wegen unter alten teils seltenen Bäumen mit breitastigen Kronen lustwandeln oder auf den Bänken ausruhen.“(Klinker, Heimatkunde des Stadtkreises Köln. 1911, S. 62).

Bis heute hat sich in seinen wesentlichen Zügen (Wegenetz und umfangreicher Baumbestand) das Parkkonzept von Kowallek erhalten; jedoch ist der einst gerühmte Erholungs- oder Erbauungswert ist stark gemindert. Manch schmückendes Detail ist verloren gegangen. Die einst gepriesene Farbigkeit durch Blumen und Kräuter ist schon lange verschwunden. Nur wenige der einstigen wertvollen Solitärbäume aus der Frühzeit des Parks sind überkommen. Verschiedene Sichtachsen sind, wie Müller nachweisen konnte, durch Wildwuchs oder nicht fachmännische Neupflanzungen verstellt. Die Grünräume haben sich vorwiegend  im Parkinnern durch Beseitigung der Strauchschichten und hauptsächlich an den Parkrändern durch Strauchwildwuchs verändert.

Angeregt durch das Interesse des Vereins PRO STADTGARTEN e.V. konnte der Stadtkonservator eine Diplomandin für eine Ausarbeitung der bisher noch unerforschten Geschichte des Stadtgartens gewinnen und von ihr die ersten Hinweise für ein Pflegeparkkonzept erarbeiten lassen. Dieses liegt nun vor.

Zugleich schrieb der Verein einen Ideenwettbewerb für Studierende im Fachbereich Architektur, Städtebau und Regionalplanung der Fachhochschule Köln sowie im Fachbereich 9, Bio- und Geowissenschaften, Landschaftsarchitektur der Universität Essen aus um Lösungsansätze zu finden die gestalterischen und funktionalen Mängel des Stadtgartens und seines Umfeldes zu beseitigen oder wenigstens zu mindern. Entsprechend der unterschiedlichen angesprochenen Fachbereiche fand in einem einwöchigen workshop eine interdisziplinäre Zusammenarbeit unter der Beteiligung der zuständigen Professoren (Prof. Prinz und Prof. Riese), eines Mitarbeiters des Amtes für Landschaftspflege und Grünflächen (Dr. Bauer) und des Stadtkonservators (Dr. Meynen) statt.

Schon beim einführenden Rundgang durch das Wettbewerbsgebiet wuchs die Begeisterung der Studenten für das gestellte Thema. Die zehn Gruppen erbrachten erstaunlich gute Ergebnisse, die vielfach ähnliche Lösungsvorschläge enthielten. So stimmten nahezu alle überein, den Parkplatz der Christuskirche im Nordwesten durch einen Grünplatz zu ersetzen und so das Kirchengebäude mit dem Park in Verbindung zu bringen. Mehrere Entwürfe sahen darüberhinaus eine stärkere Durchgrünung des Umfeldes durch Alleebäume vor. Einige schlugen vor, auf der erhöhten und parallel zum Stadtgarten verlaufenden, in Kürze aufgelassenen Eisenbahntrasse  eine Art Panoramaweg anzulegen, von dem aus der Stadtgarten aus einer völlig anderen Perspektive betrachtet werden könne. Ideen für eine bessere Anbindung an die jüngeren benachbarten Grünanlagen,  den  Inneren Grüngürtel und den Mediapark kamen ebenfalls zur Sprache. Mit einer neuen Konzeption des vorhandenen, räumlich zu kleinen und architektonisch sehr provisorisch wirkenden Restaurationsgebäudes befasste sich u.a. auch der erste Preis der beiden Architekturstudenten  Daniel Volske und Till Robin Kurz. Aufgrund der brauchbaren Ergebnisvorschläge des Wettbewerbs erwirkte der Verein PRO STADTGARTEN alle Planungen im Kölner Rathaus vom 10. April 2001 bis zum 27. April 2001 auszustellen.

Ziel des Vereins ist es, die erarbeiteten Ergebnisse weitgehend zu verwirklichen. Daher ist seit der Vereinsgründung umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit angesagt, eine Öffentlichkeitsarbeit, die eins der Vorstandsmitglieder Herr Felix Richard bisher mit Bravour beherrschte. Nicht nur im Internet (www.prostadtgarten.de) ist der Verein mit fortwährend auf den neuesten Stand gebrachten Informationen vertreten, sondern auch in den verschiedensten Blättern der Lokalpresse sind seit der Gründung des Vereins bis zur Ausstellungseröffnung immer wieder beachtliche Artikel zu finden.

Jetzt gilt es, wie Heike Müller in ihrer Diplomarbeit vorschlägt, sich vermehrt auch in der Öffentlichkeitsarbeit mit dem Wesen und dem Wert des Stadtgartens auseinanderzusetzen und u.a. mittels Informationstafeln vor Ort, aber besonders durch Pressearbeit, Publikationen, Ausstellungen u.a. auf die Besonderheit dieses ältesten Kölner Park aufmerksam zu machen. Der Verein hofft,  letztendlich die Politiker für die Sanierung des Stadtgartens und die teilweise Verkehrsberuhigung seines Umfeldes insbesondere an der Spichernstraße zu gewinnen. Der Stadtkonservator Köln wünscht dem Verein Pro Stadtgarten e. V. viel Erfolg und hofft, daß diese Initiative bei vielen Kölner Bürgern für „ihre“ jeweiligen Grünanlagen Nachahmung findet.

 

Details der einzelnen Projekte
können am linken Bildrand,
mit den nach Themen geordneten Knöpfen,
aufgerufen werden.

Aktuelle Informationen und Aufrufe finden Sie
hier!

[Home] [der Verein] [der Park] [die Projekte] [Impressum]