|
Stadtgarten und Baumschule Der Stadtgarten, zwischen 1827 und 1829 angelegt, ist die älteste, erhaltene öffentliche Grünanlage Kölns. In der Sitzung des Stadtrates vom 29.05.1826 betonte der damalige
Oberbürgermeister Steinberger den “allgemein beklagten Mangel an öffentlichen Anlagen”. Auf Initiative und Empfehlung der Verschönerungskommission kaufte die Stadt Köln am 18.12.1826 von der Festungsbaubehörde das sog.
Ziegelfeld, ein 11 ha großes, außerhalb der Umwallung liegendes Gelände, das an den Bischofsweg und die Venloer Straße angrenzte.Kölns erster Gartendirektor, Jacob Greiß, erstellte die Pläne für die 3 ha große
Parkanlage mit westlich angrenzender, 8 ha großer, Baumschule. Die städtische Baumschule erbrachte bereits 1830 einen Gewinn von 1705 Talern und ersparte die Kosten für Kauf und Lieferung von Pflanzmaterial. “Die
Baumschule genoß einen ausgezeichneten Ruf, insbesondere die Rosenzucht war über die Stadtgrenzen hinaus bekannt.” 1 Von 1827 bis 1837 unterhielt und bewirtschaftete die Stadt den Garten und die Baumschule. Am
02.09.1839 übertrug sie der königlichen Regierung ihre Baumschule zur “temporären Benutzung als Central-Baumschule für die Regierungsbezirke Köln, Aachen und Düsseldorf.” In einer diesbezüglichen Übereinkunft zwischen
der königlichen Regierung und der Stadt Köln wurde u. a. festgelegt “... § 2. Dem Publicum, wie es bis dahin, den Zutritt zu gewähren, mit Ausnahme der Obstreife oder wenn sonst Beschädigungen zu befürchten. § 7. Der
Stadt für die Benutzung der Baumschule eine Summe von 500 ThIrn. jährlich zu zahlen und der städtischen Verwaltung die Befugnis einzuräumen, während der Dauer des Vertrags-Verhältnisses die Gewächse, deren die Stadt zur
Bepflanzung und Unterhaltung der öffentlichen Plätze, der städtischen Anlagen und Promenaden und des Gottesackers bedürfen würde, jedoch zu einem Maximum von 150 ThIrn. jährlich an Werth, unentgeltlich aus der
Baumschule zu beziehen.” 2 An dieser Stelle sei noch erwähnt, daß
zwei Literaturhinweise darauf hindeuten, daß es vor dieser Baumschule bereits eine andere, städtische Baumschule “an der Schleifkottenmühle” in der Nähe von Efferen gab. 3, 4 Der Stadtgarten
war sehr beliebt in Köln. In der Sitzung vom 12.05.1853 bemängelte Bürgermeister Stupp, daß der Raum des Gartens für die große Stadt zu beschränkt erscheine und an Sonn und Feiertagen die Bänke nicht immer ausreichen
würden. Die privatwirtschaftliche Konkurrenz führte in den 50er Jahren zu Einnahmeverlusten der Baumschule und deshalb wurde ab 1861 ihr Areal in eine Gartenanlage mit Waldcharakter umgewandelt. Diese Veränderung plante
und beaufsichtigte der seit 1853 angestellte Stadtgärtner Anton Strauß. 5 1866 wurde in diesem Teil des Parkes mit dem Bau eines Restaurationsgebäudes begonnen. Der Stadtgarten erfuhr 1888 wegen des Ausbaues der Eisenbahn eine weitere Umgestaltung,
die ihn mit einem Flächenverlust von ca. 5,2 ha auf seine heutige Größe von ca. 5,4 ha reduzierte. 6 “Nach dem Plane fallen fort: die alte Restauration, die Dienstwohnung des Stadtgärtners, das alte Abortgebäude und die Gewächshäuser, welche nach dem neuen Volksgarten
verlegt werden. Dagegen werden neu erbaut: ein Wirthschaftsgebäude
an der Venloer Straße, eine Obergärtnerwohnung am Bischofsweg
gegenüber dem Kirchplatz, ein neues Abortgebäude in der Nähe der Obergärtnerwohnung und ein Schuppen auf dem am nördlichen Theile des Gartens neu hinzukommenden Terrain. Der Garten erhält statt der bisherigen drei
Eingänge
nunmehr deren fünf, von denen einer in das Wirthschaftsgebäude führt. Letzteres wird gegen den Park durch ein niedriges Gitter abgesperrt, so daß das selbe noch nach Schluß des Parkes besucht werden kann. Unweit des Wirthschaftsgebäudes auf dem jetzigen Restaurationsplatz wird ein Kinderspielplatz mit Spieltischen und Trinkbrunnen eingerichtet. Der Park wird nach den Straßen (Süden und Osten) hin durch ein eisernes Gitter, nach den Baugrundstücken im Norden durch eine Mauer und nach dem Eisenbahnwall im Westen durch eine lebende Hecke abgegrenzt.”
7 ___________________________________ 1 Bieger, H., 1968, S. 752 H.A., Sitz. v. 11. 10. 1849 3 H.A., Sitz. v. 22.05.185 1, S. 422
4 Ausstellungskatalog des H.A., 1977, S.31 5 H.A., V b 1858 6 H.A., Plan 2/1097, Blatt 1 27 H.A., Vb 1887/88, S. 155
|