Home
Teil 2
Teil 1

Aufgabenstellung

Der 1827-29 eingerichtete, 1864 nach einem Entwurf von Anton Strauß erweiterte und 1888 von Adolf Kowallek umgestaltete Stadtgarten ist die älteste städtische Parkanlage von Köln, steht also am Beginn einer Freiflächenpolitik, die vor allem im frühen 20. Jahrhundert herausragende Ergebnisse zeitigte. Er befand sich ursprünglich in Stadtrandlage, ist heute aber von dichter Bebauung mit einer Vielfalt städtischer Funktionen umgeben. Er hat Bedeutung für erholsamen Aufenthalt im Freien, stellt zugleich eine Grünverbindung dar und wurde zum beliebten Veranstaltungsort.

Nach Einschätzung der Stadtverwaltung (Grünflächenamt, Stadtkonservator) bestehen akute Konflikte zwischen dem Bemühen um Erhaltung des Kulturdenkmals Stadtgarten und seiner aktuellen Nutzung.

Die Kandidatin soll zunächst einen Beitrag zur Darstellung der Anlagegeschichte sowie zur Aufnahme des heutigen Bestandes und seiner historischen Einordnung leisten. Dabei sind die Wandlungen des städtischen Umfeldes mitzuerfassen.

Auf dieser Grundlage sind eine Beurteilung des Denkmalwertes der bestehenden Anlage zu formulieren sowie ihre besonders erhaltenswerten Charakteristika, Strukturen und Bestandteile herauszustellen.

Die aktuelle Nutzung des Parks (ohne daß eine systematische Nutzungsstudie gefordert wäre) ist im Hinblick auf ihre Vereinbarkeit mit Substanz und Wirkung des Kulturdenkmals Stadtgarten zu beurteilen.

Zur Lösung von Nutzungskonflikten und zur Erhaltung des Denkmalwertes der Anlage ist ein planerisches Konzept (Programm und Vorentwurf) vorzulegen. Auch dabei ist das Umfeld einzubeziehen, soweit zweckdienlich.

 

1 Einleitung

1.1 Der Kölner Stadtgarten – Anlass, Aufbau und Ziel der Arbeit

Seit Anfang des letzten Jahrhunderts förderten einige deutsche Städte die Einrichtung öffentlicher Parkanlagen, die allen Stadtbewohnern zur Nutzung offenstanden. Im Vordergrund stand vor allem die Verschönerung der Stadt und damit die Repräsentation ihrer Bürger. Besonders das Besitz- und Bildungsbürgertum, das zugleich Förderer und Nutzer dieser Anlagen war, fand dort Raum zur Selbstdarstellung.

Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts wurde die Benutzbarkeit der Grünanlagen zur aktiven und passiven Erholung für alle Bevölkerungsschichten gefordert. Der Grünraum in Wohnungsnähe zur Verbesserung der Wohn- und Lebensqualität rückte mehr und mehr in den Vordergrund städtebaulicher Planungen.

Weil heute die Städte zum großen Teil von Geschosswohnungsbau, hoher Bebauungsdichte und Bodenversiegelung geprägt sind, spielen die bedingt öffentlichen und öffentlichen Grünanlagen in Wohnungsnähe eine wichtige Rolle für die Erholung des Stadtbewohners. Er kann - als Ersatz für den eigenen privaten Hausgarten - Siedlungsgrün und öffentliche Parkanlagen nutzen. Erholung in bedingt öffentlichen und öffentlichen Räumen ist nur in beschränktem Umfang und nach gewissen Grundsätzen möglich. Die Anlagen dürfen durch die Erholung nicht geschädigt werden, sie sollen auch für andere erlebbar und nutzbar bleiben, und es muss Rücksicht auf weitere Besucher und ihre Erholungsansprüche genommen werden.

Auch der Stadtgarten in Köln ist eine öffentliche Parkanlage, die von Anwohnern und den Bewohnern des ganzen Stadtteils zur Erholung genutzt wird. Die Geschichte dieser von der Kommune initiierten öffentlichen Gartenanlage reicht bis in die 1820er Jahre zurück.

Der Stadtgarten liegt umgeben von dichter Bebauung in der dicht bewohnten westlichen Neustadt nahe dem Stadtzentrum von Köln. Mit einer Größe von etwa sechs Hektar ist die Anlage relativ klein.

Seit dem 30. Juli 1980 stehen der Stadtgarten und sein ehemaliges Gärtnerhaus unter Denkmalschutz. Vor Inkrafttreten des Gesetzes waren beide in der Liste der denkmalwerten Objekte von Köln erfasst. Sie wurden 1980 als städtisches Eigentum ohne eingehende Begründung unter Schutz gestellt. Eine intensivere Untersuchung der Gesamtanlage stand folglich noch aus.

Der Stadtgarten ist bekannt und beliebt wegen seiner Liegewiesen, des alten Baumbestandes und der vielen Veranstaltungen im Stadtgartenrestaurant. In den Sommermonaten herrscht deshalb auch in der Parkanlage, die jederzeit zugänglich ist, Tag und Nacht Betrieb. Die Anlage ist für die ruhige Erholung sehr attraktiv. Probleme entstehen durch den hohen Nutzungsdruck, der durch die hohe Bevölkerungsdichte in der unmittelbaren Umgebung auf der Anlage lastet. Gebote zum Schutz und zur Erhaltung der Anlage werden nicht beachtet. Aber auch die derzeitige Pflege der Anlage ist problematisch. Entsprechende Anzeichen von Übernutzung und mangelnder Pflege sind überall im Stadtgarten zu finden, sein Bestand ist bedroht.

Das Problem, wie die historische Parkanlage Stadtgarten heutigen Nutzungsansprüchen noch gerecht werden kann, welche Einschränkungen aber auch diesbezüglich zu ihrer Erhaltung und zu ihrem Schutz notwendig sind, ist Thema dieser Arbeit. Nach einer näheren Untersuchung der historischen Entwicklung des Stadtgartens, der Beschreibung der Anlage in den verschiedenen Entwicklungsphasen und der historischen Einordnung des Bestandes erfolgt die Beurteilung des Denkmalwertes. Danach werden die heutigen Nutzungsansprüche an die Parkanlage dargestellt und inwieweit sie mit den Ansprüchen des Denkmalschutzes an die Anlage harmonieren bzw. sie den überkommenen Bestand bedrohen. Darauf aufbauend werden in Form eines Maßnahmenprogramms und Vorentwurfs Lösungsmöglichkeiten für die bestehenden Konflikte aufgezeigt.

Die Schädigung des Bestandes durch Über- oder Fehlnutzungen ist in vielen historischen Anlagen zu beklagen, doch gibt es bisher keine erprobten Strategien zur Lösung derartiger Probleme. Nur selten werden die Ergebnisse solcher Lösungsversuche publiziert. Daher muss auch in Köln in der Praxis erprobt werden, wie die Nutzer eventuelle Veränderungen annehmen und ob sie sich an neu aufgestellte Regeln halten werden. Dennoch ist schnellstmögliches koordiniertes Handeln zur Erhaltung des Stadtgartens geboten.

 

1.2 Quellenlage

Bedingt durch die fast völlige Zerstörung von Köln im Zweiten Weltkrieg und die Nachkriegswirren sind viele Quellen aus der Entstehungszeit und den frühen Anlagephasen des Stadtgartens verlorengegangen. So sind alle Quellen zur Anlage, die zwischen 1933 und 1945 entstanden, verbrannt. Auch durch die Umstrukturierung des Grünflächenamtes der Stadt Köln sind Materialien verschwunden.

Schriftliche Quellen in Form von Akten und einige Pläne sind im Historischen Archiv der Stadt Köln und im Grünflächenamt der Stadt zu finden. Der Stadtgarten durchlief drei Gestaltungsphasen, zu denen Quellen in unterschiedlichem Umfang vorhanden sind (Einrichtung der Anlage 1827-1829, Umgestaltung der Anlage 1864-1866, Neugestaltung der Anlage 1888-1890). Die meisten Pläne des Stadtgartens konnten für den Zeitraum 1888 bis 1928 gefunden werden, doch handelt es sich zum großen Teil um Entwurfspläne. Für die Entstehung des Stadtgartens 1827-1829 gibt es keine Planunterlagen mehr und auch für die Umgestaltung (1864-1866) können nur anhand von Stadtplänen und eines Bestandsplanes von 1888 Schlüsse auf die Gestaltung der Anlage gezogen werden. In den Akten ist die Umgestaltung des Stadtgartens (1864-1866) gut dokumentiert, während für die Entstehungszeit und die Neugestaltung kaum schriftliche Quellen vorliegen. Auch zur weiteren Entwicklung der Anlage bis heute gibt es nur sehr wenige Informationen. Bei den vorhandenen Detailplänen einzelner Gartenpartien handelt es sich zum großen Teil um Entwurfspläne, die nicht zur Ausführung gelangten.

Der Bestand an historischem Bildmaterial im Rheinischen Bildarchiv, im Historischen Archiv der Stadt Köln, in der Graphischen Sammlung des Kölner Stadtmuseums und beim Stadtkonservator Köln ist spärlich.

Ein Großteil der Stadtverordnetenprotokolle des 19. Jahrhunderts konnte wegen Elektroarbeiten im Magazin des Historischen Archivs Köln nicht eingesehen werden.

 

2 Die Geschichte des Kölner Stadtgartens

2.1 Die Anlage des Stadtgartens (1827 - 1829)

2.1.1 Die Freiflächensituation in Köln bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts

Seit dem Mittelalter, um 1180, war die Stadt Köln durch eine Befestigungsanlage, bestehend aus Wall und Graben, geschützt. Hinter dem Wall wurde um 1200 eine Stadtmauer mit zwölf Toren errichtet. Innerhalb seiner Befestigung war Köln reich an Gärten. Die Klöster und Stifte der Stadt pflegten eine hohe Gartenkultur. Noch reichten größere Waldungen bis an die Tore der Stadt. Das Stadtgebiet war so groß, daß es für die Entwicklung der folgenden sechshundert Jahre ausreichte.

Der Stadtplan von Reinhardt (Abb. 1) von 1752 zeigt, daß im 18. Jahrhundert noch fast die Hälfte der Stadtfläche landwirtschaftlich oder gärtnerisch genutzt war. Einige Stadtplätze (z.B. Neumarkt, Alter Markt und Heumarkt) und Teile der Wallanlagen waren bereits mit Bäumen bepflanzt. Schloßparks oder andere Erscheinungsformen höfischer Gartenkultur hat es jedoch aufgrund des Status´ als freie Bürgerstadt zu keiner Zeit in Köln gegeben.

Unter französischer Besatzung wurde die Stadt 1798 durch Hinausschieben der Stadtgrenze an den Bischofsweg, der etwa 500 m vor der Stadtmauer verlief, erweitert. Nachdem das Rheinland auf dem Wiener Kongreß (1815) dem Staat Preußen angegliedert worden war, wurde Köln zur Festung ausgebaut. Die Stadtmauer blieb in der alten Form erhalten und davor, in einer Entfernung von 500 m bis 900 m, teils vor, teils hinter dem Bischofsweg, wurden Forts und Lünetten der neuen Befestigung gebaut.

Seit Beginn des 19. Jahrhunderts stieg die Stadtbevölkerung stark an. Mehr und mehr Gärten aus kirchlichem Besitz und landwirtschaftliche Nutzflächen innerhalb der Stadtbefestigung wurden überbaut. Einzelne, gut situierte und einflussreiche Bürger erreichten, daß einzelne Grünflächen (besonders die begrünten Marktplätze) zur Verschönerung der Stadt erhalten wurden. Um 1820 gab es kaum noch Freiflächen in der Stadt.

Besonders im Vergleich mit seinen Nachbarstädten Düsseldorf, Aachen, Bonn und Cleve war Köln zu Beginn des 19. Jahrhunderts arm am städtischen Grünflächen.

Das Bürgertum beschloss nun, selbst Grün- und Schmuckanlagen zur Verschönerung der Stadt einzurichten, vorhandene zu erhalten und zu verschönern. Am 14. März 1822 wurde aus Vertretern der städtischen und staatlichen Behörden sowie anderen angesehenen Bürgern die städtische „Kommission für öffentliche Anlagen und Verschönerungen der Stadt Köln“ gegründet. Diese Verschönerungskommission gab zur Begrünung des Domhofes und der Bepflanzung des Festungsglacis´ zwischen Severinstor und Rhein den Anstoß. Seit 1822 wurden die Kölner Glacisanlagen planmäßig zu einer Promenade ausgebaut und bepflanzt.

Auch die Einrichtung des Kölner Stadtgartens geht auf die Initiative dieser Verschönerungskommission zurück. Man hatte den Mangel an städtischen Grünflächen erkannt, besonders im Vergleich mit den benachbarten Großstädten, die derartige Anlagen zur Repräsentation und Dekoration der Stadt nutzten. Für das Bürgertum, das zugleich Initiator und Nutzer der neuen Anlagen war, standen die öffentliche Promenade, das Sehen und Gesehen-Werden im Vordergrund. Bemerkenswert ist, daß sich alle neuen Anlagen Kölns (bis auf den begrünten Domhof) vor den Mauern der Stadt befanden, also nicht zum eigentlichen Stadtgebiet gehörten.

 

2.1.2 Gründe für die Einrichtung des Stadtgartens

Die städtische Verschönerungskommission von Köln beschäftigte sich seit 1825 mit der Frage der Einrichtung einer städtischen Parkanlage in unmittelbarer Nähe der Stadt. Neben anderen Beigeordneten der Kölner Stadtverordnetenversammlung, dem Stadtbaumeister Weyer und dem Stadtgärtner Berkenkamp, war der damalige Oberbürgermeister der Stadt Köln, Steinberger, Mitglied der Kommission. In der Stadtratssitzung am 29. Mai 1826, die Anlage des Stadtgartens betreffend, zählte Steinberger die Gründe für die Einrichtung einer solchen Anlage auf.

Öffentliche Parkanlagen hätten einen großen Wert und Nutzen für die Bewohner der Stadt. „Da wohl nicht leicht eine andere Stadt, mit der unseren in gleicher Linie stehend, an Spaziergängen und öffentlichen Anlagen in ihrer nächsten Umgebung so arm ist, wie Köln, da namentlich unsere Nachbarstädte ... wetteifernd neue Schöpfungen hervorrufen oder ihre alten erweitern und veredeln,“ sei es an der Zeit, daß auch in Köln eine öffentliche Parkanlage angelegt würde. In diesem Zusammenhang wurde der von Peter Joseph Lenné als erster kommunaler Volkspark geschaffene Magdeburger Volksgarten (1824-1829) als „herrliches Beispiel“ gelobt.

Das zwischen dem Ehrentor und Eigelsteinertor vor den Toren der Stadt gelegene sogenannte „ehemalige Ziegelfeld“ der preußischen Fortifikationsbehörde sollte zu diesem Zweck von der Stadt gekauft werden. Das Grundstück war ungeteilt und von drei Wegen begrenzt (Abb. 3). Es lag an dem vor der Stadtumwallung verlaufenden Bischofsweg, zwischen dem Fort VII und der Lünette 6, und hatte zum Festungsbau gedient. Südwestlich wurde das Gelände von der Venloer Straße und nordöstlich vom Grünen Weg begrenzt.

Auf dieser Fläche von etwa elf Hektar sollte auf Rat des königlichen Garteninspektors Weyhe aus Düsseldorf und seines Schülers Jakob Greiß neben einer Schmuckanlage eine städtische Baumschule angelegt werden. Die Anlage einer städtischen Baumschule war damals eine unbedingte Notwendigkeit, denn private Gärtnereien waren kaum imstande, genügend Bäume für den städtischen Bedarf zu liefern. Diese mussten bis dahin teuer und aufwendig aus Holland oder von der königlich-preußischen Zentralbaumschule Eggers geliefert werden. Zum Zweck der Verschönerung der Stadt würde so auch ein ökonomischer Nutzen treten. Die Kölner Stadtverordnetenversammlung beschloss die Einrichtung des Stadtgartens und am 18. Dezember 1826 wurde der Kaufvertrag über 6000 Reichstaler zwischen der Stadt Köln und der königlichen Fortifikationsbehörde abgeschlossen.

 

2.1.3 Der Stadtgarten als Baumschule mit Schmuckanlage:
Das Werk von Jakob Greiß

Mit der Gestaltung des Kölner Stadtgartens wurde der seit 1826 als neuer Stadtgärtner von Köln tätige Jakob Greiß beauftragt. Es war die erste große Aufgabe für den im gleichen Jahr aus Potsdam gekommenen „Gartenkünstler“. Er legte in den Jahren 1827 bis 1829 auf der insgesamt elf Hektar großen, nahezu rechteckigen Fläche eine Baumschule mit Schmuckanlage an (Blatt 2, Rekonstruktionsversuch). Die Schmuckanlage diente als öffentliche Parkanlage, und auch die Baumschule wurde in der meisten Zeit des Jahres als Promenade genutzt. Der Stadtgarten diente so gleichzeitig zur Erholung der Kölner und zur Versorgung von Köln und Umgebung mit Obstbäumen und Sträuchern zu erschwinglichen Preisen.

Der Entwurf

Zur ursprünglichen Gestaltung des Stadtgartens sind nur wenige Angaben zu finden. Der Entwurfsplan selbst ist verschollen, aber der von Greiß in einem Brief 1927 verfasste Erläuterungsbericht blieb erhalten. Greiß schrieb von der Schönheit der Gärten im allgemeinen, die als Ziergärten, Lustwäldchen oder auch als Parks angelegt würden und „durch Anordnung gefälliger Szenerie“ darauf ausgelegt seien, „unsern Gefühlen zu schmeicheln“ und uns „dem Betriebe eines geschäftigen Lebens zu entrücken.“ Derartige Anlagen hätten zwar ihr Gutes, „doch bleibt der Gartenkunst, fern von Luxus und Mode, noch ein anderer wichtiger Zweck vorbehalten, jener, das Nöthige, Zweckmäßige im großen Haushalte der Natur, mit der Schönheit enger zu einigen. Diesem Zwecke näher tritt die Errichtung einer größeren Baumschule.“

Die Anlage sollte nur die unbedingt erforderliche Fläche zur Kultur der Pflanzen enthalten, der Schwerpunkt der Gestaltung lag auf dem „Volksgarten, ... der in seiner ruhigen ländlichen Umgebung, in seiner einfachen Anordnung [...] der Erholung und dem ruhigen Beschauen“ dienen sollte. Die Schmuckanlage beschrieb er als „einfaches landschaftliches Gebilde im Vorgrunde der Baumschule.“ Sie sollte an die Promenade auf dem Festungsglacis, dem seit 1826 bepflanzten Eigelsteinglacis, angebunden werden. Offenbar war die drei Hektar große Schmuckanlage zweckmäßigerweise im stadtseitigen, östlichen Teil des Parkgeländes angeordnet. Die acht Hektar große Baumschule erstreckte sich dagegen im Westen der Fläche. Das gesamte Stadtgartengelände sollte mit einer Hecke eingefriedigt werden.

Die Baumschule

1827 begannen die ersten Arbeiten an der Baumschule und im Frühjahr 1828 wurden die ersten Pflanzungen vorgenommen. Vermutlich war die Baumschule in regelmäßige Felder für verschiedene Gehölzkulturen eingeteilt. Diese Quartiere waren jeweils von einer Einhegung aus Sträuchern umgeben, so daß „mit dem Schutze ein angenehmes Äußeres“ verbunden war. Auch alte vorhandene Bäume wurden in die Planung einbezogen. Sie sollten nach einem entsprechenden Schnitt die Anlage dekorieren.

1828 forderte Greiß eine Dienstwohnung für den Gärtner sowie Mistbeete und Erdkästen für die nicht winterharten Pflanzen und zur Anzucht der Einjährigen im Stadtgarten. Die Baumschule war durch eine nur in Teilen fertiggestellte Bretterwand von der Schmuckanlage abgetrennt. Diese Wand sollte vervollständigt werden. Weiterhin sollten eine Wasserzisterne zur Bewässerung der Pflanzen angeschafft und die Rosenzucht komplettiert werden. Bis auf die Gärtnerwohnung, an deren Stelle nur eine Hütte zur Aufbewahrung der Register und Gerätschaften zugestanden wurde, genehmigte die königlich-preußische Regierung den Antrag.

Schon 1830 warf das Unternehmen einen Gewinn von 1705 Talern ab.

Die Baumschule genoss einen ausgezeichneten Ruf und war durch ihre Rosenzucht über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Neben einheimischen Holzarten wurden auch Zierbäume und Sträucher aus Nordamerika, wie Azalee, Rhododendron und Kalmie gezogen. 1830 nahm die Kultur der Obstbäume dreizehn Morgen und der Schmuck- und Forstpflanzen sechs Morgen ein. Die Samen- und Vermehrungsbeete für Obst und Schmuckbäume, Ziersträucher und Blumen hatten eine Fläche von sechs Morgen. Auf weiteren drei Morgen befanden sich die sogenannten „Mutterstämme“, fünf Morgen nahmen die Wege und zwölf die Schmuckanlage im Osten der Baumschule ein.

Man begann 1830 mit dem Anbau von Maulbeerbäumen zur Seidenraupenzucht, 1836 wurde die Rosenzucht erweitert. Die Stadt konnte günstig ihren Bedarf an Gehölzen und Blumenschmuck decken und hatte Einnahmen aus dem Verkauf von Erzeugnissen der Baumschule, wie Obst- und Ziergehölze und Samenpflanzen.

Als seit 1837 die Erträge der Baumschule stark zurückgingen, wurden Gegenmaßnahmen gefordert. Im Frühjahr 1839 wurde die Baumschule für zwanzig Jahre als eine „Zentralanstalt für die Regierungsbezirke Köln, Düsseldorf und Aachen“ von der königlich-preußischen Regierung gepachtet. Der preußische Staat übernahm auch die Unterhaltung der angrenzenden öffentlichen Grünanlage und die Instandhaltung aller darin vorhandenen Bauten, Tore und Gartenbänke. Die Stadt hatte sich ausbedungen, daß die Baumschule weiterhin dem Publikum offenstünde (ausgenommen die Zeit der Obstreife und wenn andere Beschädigungen zu erwarten waren). Außerdem durfte die Kommune jährlich Gewächse im Wert von bis zu 150 Talern zur Bepflanzung und Unterhaltung der öffentlichen Plätze, der städtischen Anlagen und Promenaden und des Friedhofs aus der Baumschule beziehen.

Doch der Niedergang der Baumschule ließ sich nicht aufhalten. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts gingen die Gewinne der Baumschule weiter zurück. Ursache könnte die Bodenmüdigkeit (der „entkräftete Boden“) der Baumschule gewesen sein. Sie konnte deshalb „der Concurrenz anderer, auf frischem Boden angelegter Baumschulen“ nicht standhalten.

Die Schmuckanlage

Den Zielen der Stadtverordnetenversammlung entsprechend diente die Parkanlage der Repräsentation und Ausschmückung der Stadt. Der „große blumenreiche Stadtgarten“ war an die Festungsglacisanlagen angebunden und konnte hervorragend in den Sonntagsspaziergang um die Stadt einbezogen werden. Bereits 1853 stellte Bürgermeister Stupp fest, daß der Stadtgarten für die Bedürfnisse der Stadtbewohner von Köln zu klein sei, und es zu wenig Sitzmöglichkeiten besonders an den Sonn- und Feiertagen gäbe.

1857 wurde die einzige innerstädtische Grünanlage, der Botanische Garten, geschlossen. Die Rheinische Eisenbahngesellschaft benötigte die Fläche zum weiteren Ausbau ihrer Anlagen. Der Botanische Garten war 1801 als schulische Einrichtung des „städtischen Gymnasialschulfonds“ an der Nordseite des Domes angelegt worden. Seit 1841 hatte die Öffentlichkeit bedingt Zugang zu dieser Anlage, die bis 1857 zum Vergnügungsort avancierte. Als Ersatzfläche für ihre öffentliche Nutzung wurde die Baumschule am Stadtgarten vorgeschlagen, deren Verpachtung an die preußische Regierung 1859 auslief. Der Stadtgarten wurde daraufhin durch etliche exotische Pflanzen aus dem Bestand des Botanischen Gartens bereichert.

Neben der Auflösung des Botanischen Gartens und dem damit verbundenen Wegfall einer der wenigen städtischen Promenaden und der unwirtschaftlich gewordenen Baumschule sprach auch die zu geringe Ausdehnung der Schmuckanlage im Stadtgarten für die Umgestaltung der Anlage. Der Stadtgärtner Anton Strauß wurde beauftragt, die Eingliederung der gesamten Baumschule in den Park vorzunehmen.

 

2.2 Die Erweiterung des Stadtgartens durch Anton Strauß (1864 - 1866)

2.2.1 Planungen zur Einbeziehung der Baumschule in die Parkanlage

Mit der Erweiterung des Stadtgartens wurde 1860 der neue Stadtgärtner, Anton Strauß, beauftragt. Er hatte unter Jakob Greiß als Obergehilfe gearbeitet, ehe er 1854, nach dessen Tod, die Amtsnachfolge antrat.

Strauß legte am 28. Mai 1860 seinen ersten Entwurf für die Umgestaltung der Baumschule zur „Reform-Baumschule“ vor, ohne allerdings zu erläutern, was damit gemeint sei.

Im Juni 1864 legte er einen weiteren Entwurf vor, dem „die Idee einer dichten Waldanlage zu Grunde lag; wobei die Wege, [...] nach französischem Style, als breite Alleen und in symmetrischer Anordnung den Wald durchschnitten, wodurch an den Kreuzungspunkten größere Plätze gebildet werden, welche [...] Bassins und Fontainen aufzunehmen geeignet sind.“ Seiner Ansicht nach würde die Anlage in dieser großzügigen, klaren Gestaltung ein großes Publikum aufnehmen können und dessen Beaufsichtigung erleichtern. Die Verschönerungskommission bemängelte jedoch die Verbindung der landschaftlich gestalteten Schmuckanlage mit der eher streng gestalteten ehemaligen Baumschule, die nur unbefriedigend gelungen sei.

Diesem Plan folgte ein weiterer im Oktober 1864, der letztendlich die Zustimmung der Verschönerungskommission und daraufhin auch der Stadtverordnetenversammlung erhielt. Beschlossen wurde, daß der Übergang aus der lichten Schmuckanlage in den Bereich der ehemaligen Baumschule allmählich erfolgen sollte. Im Teil der Baumschule, der als dichte Waldpartie geplant war, sollten genügend Spazierwege angelegt werden. Man ging davon aus, daß damit den Bedürfnissen der Bürger an die neue Anlage am besten entsprochen würde. Nennenswerte Waldbestände in Stadtnähe gab es zu dieser Zeit auf dem linksrheinischen Ufer nicht mehr.

 

2.2.2 Die Umgestaltung

In den Jahren 1864 bis 1866 wurde der Stadtgarten nach dem Entwurf von Strauß umgestaltet. Die Finanzierung erfolgte zum großen Teil durch den Ausverkauf der Baumschule. Natürlich wurden für die Änderung der Anlage auch Pflanzen aus dem Baumschulbestand verwendet.

Bis 1865 wurden der südwestliche Teil der neuen Anlage und die Abteilung zur Pflan-zenanzucht im nordwestlichen Teil des Grundstückes fertiggestellt. Die Anzuchtfläche hatte die Form eines Hippodroms ( Abb. 4 und 5). Die Lage des sogenannten „Pflanzkamps“ war nach Osten, Süden und Südwesten offen, während sich im Norden und Nordosten eine Waldpflanzung zum Schutz gegen rauhe Winde anschloß. Diese kleine Fläche der ehemaligen Baumschule diente zur Anzucht von Bäumen, Sträuchern und Zierpflanzen. Auch neue Überwinterungskästen und Mistbeete wurden dort aufgestellt. Die Pflanzen wurden zur Ausschmückung der öffentlichen Anlagen der Stadt benötigt.

Sogar ein Teich sollte neu angelegt werden, seine Ausführung scheiterte jedoch an den hohen Kosten. In der gesamten Anlage stellte man Schöpfbecken zur Bewässerung auf, die durch ein erhöht angebrachtes Wasserreservoir gespeist wurden. Eine Dampfmaschine betrieb die Pumpvorrichtung. Diese Bewässerungseinrichtung diente besonders zur Unterhaltung der Schmuck- und Rasenflächen.

Der Stadtgarten war bisher nur über die beiden Eingänge am Bischofsweg erreichbar, durch die die Verbindung mit den Promenaden auf den Glacis bestand. 1865 ließ Strauß einen weiteren Zugang von der Venloer Straße aus (im Süden der Anlage) anlegen (Abb. 4). Ursprünglich sollte damit den Anwohnern die Möglichkeit gegeben werden, die Anlage mit Kutschen von und nach Ehrenfeld, einem sich westlich von Köln befindenden Ort, zu durchqueren. Entsprechenden Anträgen auf das Durchfahren des Parks wurde aber aus Kosten- und Sicherheitsgründen, besonders aber auch wegen der zu erwartenden Lärmbelästigung, bis 1879 durch die Städtische Verschönerungskommission erfolgreich Widerstand geleistet. 1867 erhielten die beiden alten Zugänge neue, etwa drei Meter breite hölzerne Tore (Abb. 6).

Die Dienstwohnung des Stadtgärtners wurde aus der Innenstadt in das Wirtschaftsgebäude im Zentrum des Stadtgartens verlegt. Dieses Gebäude wurde vor dem Bezug grundlegend saniert und um ein Geschoss aufgestockt.

1865 beschloss die Stadtverordnetenversammlung, im Stadtgarten ein Lokal zu errichten. Dort sollten sich die Besucher ausruhen und Erfrischungen zu sich nehmen können. Besonders dachte man dabei an Kranke und Schwache, die sich im Stadtgarten erholen sollten. Eine derartige Einrichtung hatte weder in der Schmuckanlage noch in der Baumschule bestanden. In der neuen „Schmuck- und Waldanlage“ würde ein Restaurationslokal aber möglich und nötig. Das Gebäude wurde als eingeschossiger Holzbau, bestehend aus einem Saal mit halbrunden Pavillons an beiden Seiten, genehmigt. Von 1866 bis 1867 wurde der Fachwerkbau im Süden des Stadtgartens errichtet. Der sich nach Westen anschließende Hofraum war durch die zu beiden Seiten liegenden Latrinen und einen Lattenzaun von der Parkanlage abgegrenzt. Bis Juni 1866 wurden im Stadtgarten über 20.000 Bäume und Sträucher neugepflanzt. Immer wieder bot man Pflanzen aus der Baumschule zum Verkauf  an, gegen Ende der 1860er Jahre hin wurde verstärkt auch Holz verkauft. Namentlich handelte es sich um „Nutz- und Brandholz von Apfel, Pflaume, Kirsche“, aber auch Birke, Ahorn, Esche und Linde, später um Holz von Linde, Kastanie, Esche und Pappel. Es ist anzunehmen, daß bei der Umgestaltung der Baumschule der Bestand an Obstgehölzen stark reduziert wurde, bei den anderen Laubgehölzgattungen handelte es sich vorwiegend um Bäume, die gefällt werden mussten, weil sie Schaden durch Windbruch erlitten hatten.

Beschreibung der fertiggestellten Anlage

Wie die Anlage nach ihrer Fertigstellung vermutlich aussah, kann nur aus einem Wettbewerbsbeitrag zur Kölner Stadterweiterung in den 1880er Jahren (Abb. 5) und dem „Plan der Stadt Coeln und der Umgebung angefertigt zum Zwecke der Stadterweiterung, Mai 1876 durch den Kataster Controleur Willmeroth“ entnommen werden (Abb. 4). Durch unterschiedliche Signaturen lassen sich darin überbaute, befestigte und Grünflächen voneinander unterscheiden. Abgesehen von einigen Baumreihen, die vermutlich nur ornamentalen Charakter auf diesem Plan haben, sind keine Bepflanzungsdetails dargestellt oder benannt. Das System der unterschiedlich breiten Wege mit Aufweitungen in Kreuzungsbereichen und platzartigen Erweiterungen ist präzise dargestellt. Nicht voneinander unterscheidbar sind die ehemalige Schmuckpartie und die neuangelegten Waldpartien.

Der Arbeitsplan von Adolf Kowallek aus dem Jahr 1888 lässt in feinen Tuschelinien den Bestand vor der Neugestaltung des verkleinerten Stadtgartens im gleichen Jahr erahnen, so daß hieraus wenigstens für den östlichen Teil der Anlage genauere Aussagen zur Anordnung von Gehölzpflanzungen, zur Artenverteilung, zur Lage einiger Gebäude und zum Wegeverlauf gemacht werden können (Abb. 13).

Blatt 2 zeigt  einen Rekonstruktionsversuch der von Strauß fertiggestellten Anlage.

Der Stadtgarten lag nach wie vor außerhalb der Stadtmauer. Außer den Forts und Lünetten gab es keine Bauten in seiner unmittelbaren Umgebung. Er war mit einer dichten Gehölzpflanzung und einem Lattenzaun eingefriedigt und hatte 1876 drei Zugänge (Venloer Straße, Ecke Venloer Straße/Bischofsweg und Ecke Bischofsweg/Grüner Weg). Ein vierter Zugang, direkt zum Restaurationslokal, wurde zwar beantragt, ob er jedoch genehmigt wurde, konnte nicht geklärt werden.

Der Stadtgarten war im „gemischten Stil“ angelegt. Nach dem „Zonierungsprinzip“ wies die Umgebung der Baulichkeiten eine regelmäßige Flächengliederung auf. Die übrige Parkanlage war durch landschaftliche, frei schwingende Formen gekennzeichnet. Im mittleren Teil der Anlage befanden sich die baulichen und gärtnerischen Attraktionen: das Gartenrestaurant mit regelmäßigen Platzflächen und Pflanzungen nach Osten, Norden und Westen, das Ökonomiegebäude im Zentrum der Anlage und die hippodromförmige Gartenanlage. Sie waren weder an einer sie verbindenden Achse ausgerichtet noch über direkt verlaufende Wege miteinander verbunden.

Die Gartenrestauration im Südwesten des Geländes befand sich auf einer befestigten Platzfläche, die zum Garten ausgerichtet war. Sie fällt durch ihre regelmäßige Gestaltung auf. In der Symmetrieachse des Hauses befand sich auf diesem Restaurationsplatz eine Parterreanlage. Sie bestand aus zwei rechteckigen, parallel zur Achse ausgerichteten nebeneinanderliegenden Pflanzflächen, die in einer Skizze von Strauß als „Blumen-Parterre“ bezeichnet sind. Im Stadtplan von 1876 sind diese Beetflächen jeweils von zehn Bäumen regelmäßig umsäumt dargestellt (Abb. 4). Der Bestandsplan von Kowallek bestätigt diese regelmäßige Baumpflanzung (vgl. Abb. 14 und Blatt 2, Rekonstruktionsversuch). In der Achse des Gebäudes schloss sich nordöstlich an das Parterre eine kreisrunde Fläche, vermutlich ein Schmuckbeet, an.

Zu beiden Seiten des Gartenlokals war die Platzfläche etwa halbkreisförmig aufgeweitet. Über die Bepflanzung dieser Bereiche können keine Angaben gemacht werden. Die Fläche um das Lokal soll locker mit Bäumen bestanden gewesen sein. Diese Bepflanzung wurde 1870 mit „140 Bäumen in verschiedenen schnell wachsenden Arten“ aus der Baumschule vervollständigt.

Fast im Zentrum des Stadtgartens befand sich das ehemalige sogenannte „Oeconomiegebäude“, das für Strauß zum Gärtnerhaus umgebaut worden war. Die Haustiere, die Strauß hielt, waren im Stall daneben untergebracht. Südlich und westlich vom Gärtnerhaus sind bei Willmeroth und Kowallek unterschiedlich gestaltete Außenbereiche erkennbar, die Schmuckpflanzungen oder Nutzgartenflächen gewesen sein könnten.

Im Norden der Anlage war die hippodromförmige Gartenanlage platziert. Als Grünfläche ausgewiesen, ist ihre genaue Funktion aus den Plänen nicht erkennbar. Es handelte sich hierbei um die Anzuchtfläche der Parkgärtnerei, den sogenannten „Pflanzkamp“, den Strauß in seiner Entwurfsbeschreibung mehrfach erwähnte.

Das Netz der Spazierwege überspannte mit unterschiedlichen Wegebreiten in sanften Schwüngen engmaschig die Parkanlage. Die breitesten, die Hauptwege, führten von den drei Eingängen des Stadtgartens durch die Anlage, bildeten einen äußeren Rundweg und tangierten wie beiläufig das Gartenrestaurant und das Gärtnerhaus. Während die äußeren Wege langgezogene Schleifen formten, waren die im Innern der Anlage sehr kurvig und bildeten oft angeschnittene Kreisbahnen. Diese Gestaltungsweise ist auch typisch für die späteren Anlagen von Strauß (vgl. Abb. 7). An den im Nordwesten verlaufenden Hauptweg waren zwei große, kreisförmige Spielplätze angelagert. Sie waren baumbestanden und jeweils von einer Rundbank eingefasst. Überwiegend an Wegen mittlerer Breite befanden sich neun weitere kreisrunde Ruheplätze. Zwei davon, nördlich des Lokals, sind durch gekurvte Wege erschlossen. Wie sich in Plänen jüngeren Datums zeigt, handelte es sich um erhöht liegende Aussichtsplätze (s. dazu Abschnitt 2.3.2). Auffallend im Wegesystem südwestlich vom Parkrestaurant ist eine platzartige Erweiterung, die bei Willmeroth mit sieben Bäumen kreisförmig bepflanzt erscheint. Nur über nachgeordnete Wege erreichbar, da nicht für große Besuchermengen vorgesehen, war der Pflanzkamp.

Wie bereits angesprochen, können nur für die Osthälfte des Stadtgartens Aussagen zur Bepflanzung gemacht werden. Im Rekonstruktionsversuch, Blatt 2, ist die Lage der locker bepflanzten ehemaligen Schmuckanlage gut erkennbar, während die Fläche der ehemaligen Baumschule dicht mit Gehölzen bestanden ist und eher waldartig wirkt. Die gesamte Gartenanlage war von einem dichten Gehölzgürtel eingefasst.

Regelmäßige Baumpflanzungen befanden sich auf dem Restaurationsplatz nördlich des Gebäudes und südlich des Gärtnerhauses an dessen Schmalseite.

Schmuckbeete waren (wie das Blumenparterre) vermutlich nur in der näheren Umgebung dieser Gebäude angelegt. Wahrscheinlich waren, wie für eine Parkanlage im landschaftlichen Stil dieser Zeit üblich, als Vor- und Unterpflanzungen der Gehölzgruppen Sträucher und vielleicht sogar Stauden verwendet worden.

Bezüglich der verwendeten Arten geben die Pflanzenlisten von Strauß und der Arbeitsplan von Kowallek Auskunft. U.a. sind Flieder, Goldregen und Kastanien, aber auch Pfaffenhütchen, Ginster und Weißdorn als Blütengehölze für die Anlage nachweisbar. 1879 gab es 600 verschiedene Arten und Varietäten von Bäumen und Sträuchern im Stadtgarten.

An exotischen, sogenannten „bemerkenswerten Pflanzen“ sind unter anderem nordamerikanische Gehölze wie Essigbaum, Eschen-Ahorn, Lebensbaum, Trompetenbaum und Tulpenbaum und chinesische Gehölze wie Götterbaum, Paulownie und Ginkgobaum nachweisbar. Es wurden aber auch verschiedene heimische Arten verwendet (S. dazu Anhang II.3).

Es fällt der hohe Anteil an Ahorn, Ulme und Platane auf (Blatt 2, Rekonstruktionsversuch). Da Kowallek in seinem Arbeitsplan zum großen Teil die Gehölze einzeichnete, die er auch in die Neugestaltung einbeziehen wollte, und zum westlichen Teil der Anlage überhaupt keine Angaben vorliegen, wäre der Versuch einer Quantifizierung der verwendeten Individuen einer Art nicht unbedingt repräsentativ für den Gehölzbestand der Gesamtanlage in den 1880er Jahren.

 

2.2.3 Nutzungen des von Strauß geschaffenen Stadtgartens

Der Stadtgarten diente den Bewohnern der Stadt, und dabei besonders den Kranken, Genesenden und Kindern, zur Erholung. Sehr beliebt waren die schattigen Promenaden in den waldartigen Partien der Anlage. Kinderspielplätze waren besonders ausgewiesen und befanden sich im westlichen Teil des Grundstückes (s. Abschnitt 2.2.2). Die Kinder mussten stets in Begleitung Erwachsener sein.

Ob der Verein für Gartenkultur und Botanik in Köln - wie 1864 vorgesehen - wirklich im Pflanzkamp eine kleine Fläche zur versuchsweisen Anpflanzung neuer Gemüse, Kräuter und Blumen etc. erhielt, konnte nicht geklärt werden.

Das Restaurationslokal wurde als Molkereianstalt und Kaffeewirtschaft mit niedrigen Preisen für die Getränke, Speisen und Erfrischungen betrieben. Der Ausschank von Alkohol war nicht gestattet. Einhundert Personen fanden im Restaurant Platz. In der Anlage selbst boten Stadtgärtner Anton Strauß frische Milch aus Eigenproduktion und Dr. Ewich Mineralwasser zur Erfrischung der Besucher an.

1867 beriet die Stadtverordnetenversammlung über den Bau einer weiteren Wirtschaft im Stadtgarten, weil die vorhandene nur während weniger Sommermonate besucht wurde und sie weder als „café chantant“ benutzt, noch Bälle in ihr veranstaltet werden durften. Man einigte sich aber darauf, die Nutzung der vorhandenen zu erweitern. Bald wurde der Ausschank alkoholischer Getränke, wie Wein, Maiwein und Erdbeer-Pfirsich-Bowle im Lokal erlaubt (Likör und Bier blieben ausgeschlossen) und seit August 1867 ist auch die Aufführung von Konzerten auf dem großen Platz vor dem Restaurationsgebäude aktenkundlich. Diese Militärkonzerte wurden zum Schutz der Gartenanlage von Soldaten überwacht.

Während der regulären Öffnungszeiten bewachten mehrere Gartenwächter die Anlage. Sie wurden in den weniger besuchsreichen Zeiten zur Gartenarbeit herangezogen. In der Blütezeit wurden weitere Wächter angefordert. Zehn Minuten vor Torschluss forderten sie die Besucher durch Läuten zum Verlassen der Anlage auf. Mit Einbruch der Dunkelheit wurde der Stadtgarten verschlossen (Anhang II.4).

Der Stadtgarten wurde seit seiner Umgestaltung reger besucht, bald reichten die vorhandenen Bänke nicht mehr aus. Neben der Anlage „Werthchen“ im Süden der Stadt, direkt am Rhein, war der Stadtgarten in den folgenden Jahren der Lieblingsaufenthaltsort der Kölner Familien.

1879 wurde Strauß aufgefordert zu prüfen, ob sich im Stadtgarten ein Arboretum anlegen ließe. Da die Anlage sowohl in ihrer ursprünglichen Gestalt als auch nach ihrer Umwandlung nur als landschaftlicher und nicht als botanischer Garten bepflanzt worden war, befand sich der größte Teil der vorhandenen Baum- und Strauch-Arten über die gesamte Anlage verteilt oder in Gruppen versteckt. Zur Einrichtung eines Arboretums wäre eine Neuordnung des Bestandes unbedingt nötig gewesen. Zunächst wurde mit der Aufstellung von Schildern, die den deutschen und den botanischen Namen enthielten, an ausgewählten, vom Weg aus sichtbaren Gehölzen begonnen (S. dazu Anhang II.3).

 

2.3 Die Verkleinerung und Neugestaltung des Stadtgartens (1888-1890)

2.3.1 Kölner Stadterweiterung und Neugestaltung des Stadtgartens

Mit beginnender Industrialisierung im 19. Jahrhundert wuchs die Stadtbevölkerung von Köln stark an. Im Vergleich zu 1816 hatte sie sich bis 1881 fast verdreifacht und lag mit 345 Einwohnern pro Hektar (1870) über dem Durchschnitt anderer bedeutender europäischer Städte wie Paris (236 Einwohner/ha) und London (86 Einwohner/ha).

Außerdem wurde zum Schutz der Festungsstadt vor den neuen Geschützen mit größerer Reichweite eine Erweiterung der Befestigungsanlagen dringend nötig.

Aus diesen Gründen wurden das städtische Baugebiet 1881 um das Festungsgelände außerhalb der Stadtmauern erweitert und neue Befestigungsanlagen weit außerhalb ihrer Grenzen in Form von einzelnen Forts gebaut. Das neue Baugebiet lag zwischen den inneren und äußeren Wallstraßen (Abb. 8). Es wurde von Stadtbaurat Josef Stübben - erstmalig für Köln - nach einem städtebaulichen Konzept entwickelt (Abb. 9). Stübben sah in seiner Planung außer Wohnbebauung für das mittlere und gehobene Bürgertum zahlreiche Grünflächen vor. Neben gleichmäßig verteilten Parkanlagen (zum Stadtgarten traten Volksgarten und Römerpark hinzu) entstanden in der Kölner Neustadt die Schmuckanlagen und Alleen der Ringstraße nach Wiener Vorbild.

Im Zuge der Stadterweiterung verlor der Stadtgarten ab 1883 etwa die Hälfte seiner ursprünglichen Fläche (von 10,83ha auf 5,65ha). Zunächst wurde ein Teil des westlichen Bereichs an die Militärbehörde für den Bau der neuen Stadtumwallung verkauft. Später folgte ein weiteres Teilstück an die Rheinische Bahngesellschaft zum Ausbau der Bahnanlagen. Die neue Eisenbahntrasse verlief mitten durch den Park, später wurde dort der Westbahnhof gebaut. Im Gegenzug wurden der Anlage in Richtung Gilbachstraße (neue Straße im Nordosten) 0,5ha zugeschlagen und die Begradigung der Venloer Straße (nach Räumung des Forts VII) brachte dem Stadtgarten einen weiteren kleinen Flächenzugewinn in südöstlicher Richtung.

Der Stadtgarten lag nun im nordwestlichen Teil der neu entstehenden Kölner Neustadt und damit mitten im Stadtgebiet. Er musste seinem neuen Zuschnitt und der geplanten Veränderung seiner Umgebung entsprechend umgestaltet werden.

Neben der Rheinau-Anlage (einer Rheininsel) war er mit seinem prachtvollen, teilweise seltenen Baumbestand zu Beginn der Stadterweiterung die einzige öffentliche Gartenanlage der Stadt Köln.

Adolf Kowallek (1851-1902), seit 1879 Garteninspektor in Nürnberg, hatte 1887 die neu geschaffene Stelle des Gartendirektors zu Köln angetreten. Er übernahm die Planung und Unterhaltung der Freiflächen der gesamten Kölner Neustadt und gestaltete 1888 bis 1890 den um die Hälfte verkleinerten Stadtgarten um. Er gab der Anlage die noch heute fortbestehenden Grundzüge.

Kowallek bezog Teile des vorhandenen Bestandes der Parkanlage in seine Neuplanung ein. Er stellte Beziehungen zu den inzwischen fertiggestellten umliegenden Straßenzügen (Abb. 10) über neue Zugänge in den Stadtgarten her. Aus der Kameke- und der Herwarthstraße kommend konnte man z.B. schon von weitem das neue Gärtnerhaus und den Eingang in den Stadtgarten sehen. Umgekehrt war eine Blickbeziehung aus dem Stadtgarten auf die Christuskirche vorgesehen. Mit den neuen Zugängen trug er auch der steigenden Bevölkerungszahl in der Umgebung des Stadtgartens Rechnung.

Der Ausbau der Neustadt ging zügig voran (Abb. 11) und bald war der Stadtgarten von drei Seiten mit fünfstöckiger Blockrandbebauung umgeben. Mit dem Ausbau der Kölner Ringstraßen wurden, wenig entfernt vom Stadtgarten in Richtung Stadtzentrum, die Schmuckanlagen des Kaiser-Wilhelm-Ringes fertiggestellt. 1894 fand die Einweihung der gegenüber dem Gärtnerhaus im Stil der Neogotik erbauten evangelischen Christuskirche statt.

 

    2.3.2 Die neue Anlage: Das Werk von Adolf Kowallek

Auch Adolf Kowallek gestaltete den Stadtgarten in Form des damals üblichen Landschaftsparks im gemischten Stil. Im restaurantnahen Bereich verwendete er eher geometrisch-architektonische, im übrigen Park landschaftlich geschwungene Formen. Allgemein wirkt die von ihm gestaltete Anlage lichter und klarer. Das Wegesystem ist viel großzügiger, „weitmaschiger“ als das der Anlage von Strauß.

Es ist schwierig, nachzuweisen, welche Elemente des Entwurfs von Kowallek (Abb. 15) wirklich ausgeführt wurden, da kein Bestandsplan aus der Zeit bald nach der Fertigstellung vorliegt. So muss auf Stadtpläne und Bestandsaufnahmen späterer Jahre zurückgegriffen werden. Auf Blatt 3 ist ein Rekonstruktionsversuch der Anlage um 1920 dargestellt.

Seit etwa 1890 war der Stadtgarten in seinem neuen Zuschnitt von einer Einfriedigung umgeben: „nach den Straßen (Osten und Süden) hin durch ein eisernes Gitter, nach den Baugrundstücken im Norden durch eine Mauer und nach dem Eisenbahnwall im Westen durch eine lebende Hecke...“ Die Ziegel für die Mauer zur Gilbachstraße (Norden) fanden auch bei der Sockelmauer für die Gitter zur Spichernstraße (Osten, ehemaliger Bischofsweg) Verwendung. Diese Futtermauer wurde zur Geländeabstützung des Stadtgartens nötig, als die Spichernstraße während der Stadterweiterung um vierzig Zentimeter abgesenkt wurde, die Parkbäume jedoch zum großen Teil erhalten bleiben sollten (Abb. 28). Zwei eindrucksvolle schmiedeeiserne Tore (Abb. 29) markierten die beiden Haupteingänge Spichernstraße/ Ecke Venloer Straße und Spichernstraße/ Ecke Südliche Nebenstraße (ehem. Grüner Weg, heute Gilbachstraße).

Die alten Parkbauten wurden abgerissen. Das Restaurant stand jetzt zu nah an den Bahngleisen und das alte Gärtnerhaus war baufällig. Der Pflanzkamp wurde aufgegeben und die Gewächshäuser in den damals neu eingerichteten Volksgarten am Südrand der Kölner Neustadt verlegt.

Neu gebaut wurden neben einem Restaurant an der Venloer Straße mit entsprechendem Gartenplatz westlich davon ein großer Kinderspielplatz (auf dem ehemaligen Restaurationsplatz) und eine Obergärtnerwohnung am Bischofsweg.

Das neue Restaurant (Fachwerkbau, Abb. 19) blieb dem Publikum auch zugänglich, wenn der Garten schon geschlossen war. Es war gegen den Park durch ein niedriges Gitter abgesperrt. Die Gebäudefront war auf die Venloer Straße ausgerichtet. Die Wirtschaft bestand aus einer 8m x 14m großen Halle für etwa 100 Personen. An zwei Seiten (nach Norden und Osten, Abb. 20) schloss sich eine drei Meter breite glasgedeckte Veranda für 150 Personen an und auf der Terrasse davor gab es weitere 250 Sitzplätze. Gebäude und Terrasse waren in Form von „Gasbögen mit 500 Flammen weißer Glocken“ eingefasst, die das Parklokal in den Abend- und Nachtstunden beleuchteten (Abb. 25). Die große symmetrische Terrasse, auf der sich das Restaurant nach Westen versetzt befand (Abb. 24), nahm die Form des Gebäudes mit Veranda auf. Die Terrasse war leicht gegenüber dem Parkgelände erhöht, mit einer bepflanzten Böschung gefasst und über vier Treppen, teilweise Freitreppen, erschlossen. Die Böschungen waren durch eine niedrige Abgrenzung aus Gusseisen gegen Betreten geschützt (Abb. 25).

Die quadratische Platzfläche, auf der sich Restaurant und Terrasse befanden, war nach Norden halbkreisförmig erweitert (vgl. Blatt 3, Rekonstruktionsversuch). Gefasst wurde sie von Gehölzpflanzungen und Rasenflächen. In der Mittelachse von Restaurant mit Veranda und Terrasse befand sich im Entwurf von Kowallek auf dem Platz ein Springbrunnen. Spätere Bestandspläne (Abb. 16) variieren sehr stark, so daß z.B. nicht erkennbar ist, welche Eckausformungen der Platz nun wirklich erhielt und ob das Fontänenbecken jemals direkt auf dem Platz gestanden hat. Nach diesen Plänen steht der Springbrunnen zwar auch in der Achse des Restaurants, allerdings in der sich an den Platz anschließenden Vegetationsfläche. Der halbrunde Musikpavillon wurde als Fachwerkbau am östlichen Rand des großen Platzes errichtet. Im Entwurf von Kowallek war er auf der westlichen Platzseite eingezeichnet (Abb. 26). Ein weiteres Gebäude in Form eines langgezogenen Rechteckes befand sich am westlichen Platzrand. Es könnte sich hier um eine Art „Unterstandshalle“ für die Besucher der Anlage gehandelt haben.

Das Gärtnerhaus an der Spichernstraße (Abb. 44) wurde um 1890 als eingeschossiger freistehender Bau mit einem Giebelgeschoss im Stil des Historismus errichtet. Seine Fassade aus Backstein besaß im Dachgeschoss Fachwerkgliederungen. Die nördliche Gebäudehälfte sprang risalithartig hervor.

Südlich an das Gärtnerhaus schloss sich der „Hof“ an, der nur durch das Gebäude erreichbar war. Der zur Straße abgrenzende Zaun war hier 1,45m hoch, in der übrigen Anlage einen Meter. Südlich neben dem Gärtnergrundstück hatte Kowallek das sogenannte „Selterwasser-Häuschen“ vorgesehen, dessen Bauausführung jedoch nicht nachgewiesen werden kann.

Im Nordosten, beim Eingang Bischofsweg/ Ecke heutige Gilbachstraße, befanden sich neue Aborthäuschen und im Nordwesten, auf dem neu dazugekommenen Terrain, waren der Kompost und einige Wirtschaftsgebäude untergebracht.

Die beiden Eck- Zugänge an der Spichernstraße bezog Kowallek in die Neuplanung ein. Neu hinzukamen der Zugang auf der Spichernstraße beim neuen Gärtnerhaus und - bedingt durch die Verkleinerung des Stadtgartens - ein Zugang von der Venloer Straße. Dort wurde auch ein direkter Zugang zum neuen Gartenrestaurant eingerichtet.

Haupt- und Nebenwege der Anlage sind in Kowalleks Entwurf deutlich durch ihre Breite voneinander unterscheidbar. Die Wege führten in großzügigen, in der Nordhälfte der Anlage besonders regelmäßigen Schwüngen durch die gesamte Anlage. Sie bildeten beinahe Viertel- und Halbkreise. Die Wege wurden mit einer wassergebundenen Decke versehen und wiesen an den Rändern Rinnen aus Natursteinpflaster auf. Die Rasenflächen waren, wie zu dieser Zeit noch in den öffentlichen Parkanlagen üblich, mit einer niedrigen bogenförmigen Einfassung (vermutlich aus Gusseisen) vor dem Betreten geschützt (Abb. 27). An den Wegen, besonders an den am Rande der Anlage verlaufenden, waren sieben halbkreisförmige Plätze unterschiedlicher Größe angehängt. Der zentrale Erschließungsweg für das Restaurant von der Venloer Straße sollte zum Platz halbkreisförmig aufgeweitet werden. In späteren Plänen ist der Zugang zum Restaurant von der Venloer Straße aus weiter östlich liegend dargestellt und an der Gebäudeflucht ausgerichtet (Abb. 30 und 32).

Der Kinderspielplatz im Westen der Anlage auf dem ehemaligen Restaurationsplatz erhielt eine geometrischen Grundriss, die genaue Ausführung konnte jedoch nicht festgestellt werden. An das langgestreckte Rechteck des zentralen Bereichs schlossen sich nach dem Entwurf von Kowallek südöstlich und nordwestlich dreiviertelkreisförmige Flächen an, in deren Mittelpunkt jeweils ein Spieltisch stand. Am nordwestlichen Rand des zentralen Rechteckes befand sich ein Trinkbrunnen. Der Spielplatz war durch eine dichte Gehölzpflanzung gefasst. In späteren Bestandsplänen hat er eine einfache Rechteckform.

Zwischen Spielplatz und Restaurant befand sich ein kleiner Platz, der durch einen spiralförmig gewundenen Weg erschlossen war. Er wurde, wie der Arbeitsplan von Kowallek zeigt, aus dem Bestand übernommen und diente, leicht über Geländeniveau, vermutlich als Aussichtspunkt mit Durchblicken in die Anlage. In der von Strauß gestalteten Anlage hatte es zwei dieser Plätze beiderseits von der Gartenterrasse gegeben (Vgl. Blatt 2, Rekonstruktionsversuch und Abschnitt 2.2.2).

Adolf Kowallek veränderte mit seiner Umgestaltung den Charakter der bisher in großen Partien waldartigen Parkanlage völlig. Nicht nur das Wegesystem, sondern auch die Pflanzungen waren großzügiger und offener angelegt, weite Wiesenflächen mit lockeren Gehölzbeständen ersetzten die besonders dichten Waldbestände in der Nordhälfte der Anlage.

Kowallek übernahm aus dem Bestand Solitärgehölze, Gehölzgruppen und Teile dichter Pflanzungen (Abb. 14). Vor allem Ahorn, Ulmen und Platanen, aber auch Linden, Eschen, Eichen, Pappeln und Kastanien bezog er ein. Neben diesen Laubgehölzen wies schon der von Strauß geschaffene Bestand im östlichen Teil der Anlage Gruppen von Lärchen und Kiefern auf, die Kowallek nun in die Neugestaltung einband. So wurde durch die Lärchengruppe der Blick auf das Gärtnerhaus betont. Viele der Gehölzgruppen bestanden nur aus einer Art (sowohl Nadel- als auch Laubgehölze). Kowallek bezog aber auch die selteneren Gehölze, wie die Paulownie, den Ginkgobaum, eine Blutbuche („Brl. B.“ = Braunlaubige Buche?) und den Schnurbaum in seine Planung ein (Vgl. Blatt 2, Rekonstruktionsversuch der Anlage von Strauß und Blatt 5, heutiger Gehölzbestand). Ergänzt wurde der Gehölzbestand durch Kowallek mit weiteren Ginkgobäumen, Hainbuchen, Kastanien, Linden (besonders am Spielplatz) und verschiedenen Ahornarten, Platanen und Eschen (besonders an den Wegekreuzungen; Blatt 5, Verteilung der Gehölze).

Im Schatten der alten Bäume wuchsen Farne, Efeu, Eibe und Liguster, während in den lichten Partien „schön blühende Sträucher und auf wohlgepflegtem Rasenteppich herrliche Einzelpflanzen, durch Blatt oder Blüte ausgezeichnet,“ angeordnet waren.

Mit der Reichhaltigkeit des Pflanzenbestandes versuchte Kowallek, die geringe Ausdehnung der Anlage zu ersetzen.

Wahrscheinlich schirmte er (wie für den landschaftlichen Gestaltungsstil seit Brown üblich) die Szenen idealisierter Natur mit einer dichten Gehölzpflanzung, dem „Belt“, gegen die unruhigen, von Bauten dominierten Straßenräume ab. Auf dem Platz vor der Restaurationsterrasse (Abb. 24 und 25) und dem Spielplatz sah Kowallek regelmäßig im Raster angeordnete Baumpflanzungen vor. Auch der Eingang zum Lokal sollte mit einer regelmäßigen Baumpflanzung betont werden. Ob sie ausgeführt wurde, konnte nicht geklärt werden.

Der sich an Restaurationsplatz und Spielplatz nach Norden und Osten anschließende Gartenraum war wesentlich lockerer bepflanzt als der südlichwestliche Teilbereich. Verschieden große Wiesenräume entstanden durch die Bepflanzung der Wegkreuzungen und den die Anlage umschließenden „Belt.“ Die Rasenräume zogen sich in wechselnden Breiten und Richtungen durch den Innenraum der Anlage.

Vom Restaurant aus konnte man bis weit in den nördlichen Teil der Anlage blicken. „Himmelstrebende Platanen und der seltene Gingko biloba [...] stehen im Vordergrund des lieblichen Bildes der umbuschten langen Rasenbahn. Weiter dahinter auf der linken Seite breitet über den Rasen wuchtig eine Paulownia ihren aus großen Blättern zusammengefügten Schirm aus, in solcher Größe ein seltenes Exemplar!“ Der Aussichtsplatz zwischen Spielplatz und Terrassenvorplatz bot Durchblicke in den sich nördlich anschließenden Wiesenbereich und nach Osten zum Springbrunnen. Die halbkreisförmigen, an die Wege angehängten Ruheplätze waren z.T. mit Bäumen umstanden (Abb. 15, 30 und Rekonstruktionsversuch).

In Kowalleks Plan ist nur die Bepflanzung der Böschung der Restaurantterrasse als Schmuckpflanzung dargestellt. Sie wurde steingartenähnlich mit Stauden und Zwergsträuchern ausgeführt (Abb. 25). Auch unter den Solitärgehölzen, am Rande von Gehölzgruppen und in Tuffs auf den Wiesen waren niedrige Stauden und Sträucher gepflanzt. Nicht aus Kowalleks Entwurf ablesbar ist die für Landschaftsparks typische Unterpflanzung der Großgehölze in den Kreuzungs- und Randbereichen mit Strauchwerk. Diese ist anhand von Fotografien aus dem Stadtgarten um 1900 belegbar (Abb. 27).

Die Neugestaltung des Stadtgartens zeichnete sich durch Klarheit und Einfachheit der Formen aus. Vergleicht man den Stadtgarten mit den ebenfalls von Kowallek geschaffenen Kölner Anlagen Volksgarten (Abb. 17) und Stadtwald Lindenthal (Abb. 18), so weisen alle drei Anlage ähnliche Charakteristika auf (Form der Wegeführung, Verteilung der Gehölzflächen). Es handelt sich beim Stadtgarten um eine für Kowallek typische Anlage.

Trotz seiner Verkleinerung war der umgestaltete Stadtgarten mit neuem Gartenrestaurant und großem Spielplatz vielbesucht. Die Anlage mit ihren sauberen Wegen, Beeten und Rasenflächen war wegen des herrlichen Schatten spendenden Baumbestandes und der häufig stattfindenden Gartenkonzerte ein sehr beliebtes Ausflugsziel der Kölner.

Der Stadtgarten stellte noch Jahrzehnte später eine als wertvoll erachtete Erholungsstätte für die Bewohner der angrenzenden dichtbevölkerten Teile der Alt- und Neustadt dar. Mit der Einrichtung neuer großer Parkanlagen, der sogenannten Volksparke in Köln, nahm seine Bedeutung für die gesamte Stadt jedoch immer weiter ab (Abb. 31).

 

2.4 Die Entwicklung des Stadtgartens nach dem Zweiten Weltkrieg
bis heute

Die weitere Entwicklung des Stadtgartens nach seiner Fertigstellung 1890 und besonders nach dem Zweiten Weltkrieg bis heute ist nur wenig dokumentiert. Viele der folgenden Informationen konnten nur durch Auswertung von Luftbildern gewonnen werden.

Schon 1942/43 fielen die ersten Bomben auf Köln und bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges waren 80% der Stadt zerstört. Auch der Stadtgarten blieb nicht vom Krieg verschont. Besonders im südlichen Teil an der Venloer Straße und um den Wirtschaftshof im Norden der Anlage war durch Bomben großer Schaden entstanden. Der 1941 noch sehr stattliche Baumbestand des Stadtgartens war 1945 besonders in den Bereichen um das Restaurationsgebäude, den Spielplatz und den Wirtschaftshof stark geschädigt (Abb. 33, 34). Aber auch das Gartenrestaurant und der Musikpavillon standen nur noch in den Grundmauern (Abb. 41). Das Gärtnerhaus wies dagegen nur geringe Schäden auf.

Nachdem sich das Leben nach Kriegsende langsam wieder normalisierte, begannen auch in den Grünanlagen die Aufräumungsarbeiten. Doch im Vergleich mit den anderen Parkanlagen der Stadt stand der Stadtgarten eher im Hintergrund, zunächst wurden die städtischen Schmuckanlagen, der Volkgarten und andere große Anlagen bereinigt. Darüber, welche Maßnahmen im Stadtgarten durchgeführt wurden, können keine genauen Angaben gemacht werden.

Die Baulichkeiten im Stadtgarten

Das nur leicht beschädigte Gärtnerhaus wurde schon 1945 wieder hergerichtet und diente fortan als Verwaltungssitz des Kreisverbandes der Kölner Kleingärtnervereine e.V. 1988 beantragte der Verband den Kauf des Gärtnerhauses. Das Gebäude war inzwischen stark vom Hausschwamm befallen. Nach Ablehnung des Kaufgesuches verließ der Verein 1994 das ehemalige Gärtnerhaus. Nach mehreren Besetzungen durch Autonome wurde es 1998 an die Ena-Film GmbH verkauft. Im selben Jahr untersuchten Fachfirmen die Bausubstanz, und das von der GmbH beauftragte Architekturbüro erstellte ein „Sanierungs-, Rekonstruktions- und Umbauprogramm.“ Nach strengen Auflagen der Denkmalbehörde begannen im Januar 1999 mit der Einrüstung des Gebäudes die Arbeiten. Sie wurden nach eineinhalbjähriger Pause im September 2000 fortgeführt.

Das stark beschädigte Restaurationsgebäude (Abb. 34) wurde im notdürftig reparierten Zustand 1951 an ein Ehepaar vermietet. Damit verbunden waren einige Ausbauten und Erneuerungen in der Ausstattung in den folgenden Jahren. Das alte Gebäude blieb dabei als Kern erhalten. Der Außenbereich wurde in Teilen neu gestaltet. Die große befestigte Platzfläche um das Restaurant war in mehrere Teilbereiche untergliedert. In Richtung Venloer Straße wurde die Gestaltung von 1890 wiederhergestellt. Ein Foto belegt für 1946 einen direkten Zugang von der Venloer Straße zum Restaurant, der auf keinem der vorliegenden Pläne eingetragen und auch auf dem Luftbild des gleichen Jahres nicht erkennbar ist (Abb. 40). Ebenso fällt eine große ummauerte Fläche auf dem Restaurationsplatz auf, zu der keine Angaben gemacht werden können (Abb. 34 und 41). Nach Osten wurde eine neue, asymmetrisch geformte Terrasse für das Restaurant gebaut. Sie war 1959 weitgehend fertiggestellt und mit Bäumen bestanden. Sie ist in ihrer Grundform bis heute erhalten. Die Fläche hinter dem Lokal in Richtung Norden wurde zunächst als Lagerplatz benutzt. Zum Garten hin wurden – völlig im Gegensatz zur Planung Kowalleks, dessen Restaurationsplatz sich zum Park öffnete - ausgedehnte Gehölzpflanzungen angelegt (Abb. 37). Der Blick von der Terrasse in die Anlage blieb zunächst frei. 1970 konnte der Versuch, das alte Stadtgartenrestaurant völlig abzureißen und an seiner Stelle ein Hochhaus zu errichten, erfolgreich von der Kölner Architektenschaft abgewehrt werden. Ab Januar 1978 stand das Gebäude leer, eine neue Nutzung musste gefunden werden. Zunächst wurde die Einrichtung eines Senioren- und Behindertenheimes vorgeschlagen. Auf begeisterte Zustimmung des Kölner Stadtrates stieß der Gedanke der Einrichtung eines „Zentrums kultureller Aktivitäten (Livehaus Köln) unter besonderer Berücksichtigung der Pflege des Jazz.“ Unter Leitung der Initiative Kölner Jazzboard sollte auch die Initiative Kölner Jazz-Haus (Amateurmusiker) dort Möglichkeiten zu Probe und Auftritt erhalten. Dazu wurde der Erweiterung des Gebäudes nach Westen und Norden zugestimmt. 34 Parkplätze waren im Südwesten vor dem Restaurant geplant, die Treppe zum Lokal sollte zur Einfahrt umgebaut und die bestehende Zufahrt als Ausfahrt dienen. Zur Umsetzung dieser Außenplanung kam es nicht. Bis 1981 wurden das Stadtgartenrestaurant und der Eingangsbereich in die heutige Form umgestaltet.

Der Musikpavillon auf dem Restaurationsplatz und ein kleines Gebäude auf dem Aussichtsplatz wurden abgerissen. Genaue Angaben dazu können nicht gemacht werden.

1958 wurde auf der Fläche des ehemaligen Wirtschaftshofs die ursprünglich im Stadtzentrum befindliche, im Krieg vollkommen zerstörte Kirche St. Alban als moderner Ziegelbau errichtet. Sie wurde nach Entwürfen von Hans Schilling aus den Trümmerziegeln des alten Opernhauses erbaut (Abb. 56). Im Ziegelgebäude nebenan wurde ein Kindergarten untergebracht.

Wegesystem und Einfriedigung

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die zerstörten Wege und die Ziegelmauer der Einfriedigung in Teilen wieder hergerichtet. Um 1954 folgten dann weitere größere Aufräummaßnahmen. Dazu errichtete man feste Arbeiterunterkünfte für die Arbeiterkolonnen des Grünflächenamtes. Das Wegesystem erfuhr einige Änderungen, indem Wege entfernt wurden (Abb. 42). Wahrscheinlich wurde im Zuge dieser Arbeiten auch das gesamte Wegesystem repariert. Noch 1960 waren die Wege mit einer Pflasterrinne aus hellem Naturstein (Grauwacke) gefasst. Mitte der 1990er Jahre erfolgte die Erneuerung des gesamten Wegebelages nach dem vorhandenen Bestand. Auf die Randeinfassung der Wege wurde dabei verzichtet. Im Zuge dieser Arbeiten wurden vier Trampelpfade befestigt. Mit dem Übergang über ein stillgelegtes Bahngleis konnte eine Anbindung des Stadtgartens an den nördlich von ihm entstehenden Mediapark hergestellt werden. Dieser Zugang stellt gleichzeitig die zweite Verbindung zu dem sich hinter den Bahngleisen an den Stadtgarten anschließenden Inneren Grüngürtel dar.

Der Spielplatz

Erste Arbeiten an der Spielplatzanlage wurden 1956 durchgeführt (Abb. 36; auf dem ehemaligen Wirtschaftshof lagerten Baumaterialien, wahrscheinlich auch Splitt und Sand für den Wegebau). 1959 war die Ausstattung des Spielplatzgeländes in der für die 1950er Jahre typischen Formensprache weitgehend fertiggestellt (Abb. 37). Er war nun unterteilt in eine Spielfläche für Kleinkinder und eine für Schulkinder. Ein durch die dazwischen befindliche Rosenpflanzung führender Betonplattenweg verband sie miteinander. Der vorhandene Baumbestand wurde in die Neuplanung einbezogen. Zum Bahndamm hin war die Spielplatzanlage wie schon bei Kowallek dicht abgepflanzt. Der bis 1980 in unmittelbarer Nachbarschaft zum Kinderspielplatz bestehende Müllplatz mit Tor wurde zugunsten der Erweiterung der Spielanlagen aufgegeben, womit diese ihre heutige Form erhielten.

Der Gehölzbestand

Nach dem Krieg bot die Parkanlage für mehrere Jahre einen verwahrlosten, von Bombentrichtern und zerstörten Pflanzungen gekennzeichneten Anblick. Erst 1948 wurde auf Anfrage der Reichsbahn vom Grünflächenamt eine Aufnahme „der wertvollsten Bäume“ im Stadtgarten vorgenommen (Abb. 41), „auf deren Erhaltung der höchste Wert zu legen ist.“ 1950/51 begannen dann auch im Stadtgarten erste Instandsetzungs- und Aufräumarbeiten. Die Fläche wurde enttrümmert und die Bombentrichter verfüllt. Nördlich des Restaurants, an der Venloer Straße, der Spichernstraße und am Wirtschaftshof wurden ausgedehnte Pflanzarbeiten durchgeführt (Abb. 35). Verwendet wurden dabei vor allem schnell wachsende Arten, wie Robinie und Ahorn (vgl. Abschnitt 3.7). Aufgrund akuten Personalmangels war die ordnungsgemäße Pflege und Unterhaltung der Anlage schwierig. Trotzdem wurden besondere Maßnahmen vorgesehen, um die gefährdeten wertvollen Bäume zu erhalten. Im Nordteil des Stadtgartens war der Gehölzbestand weitgehend erhalten geblieben, eine Fotografie Anfang der 1960er Jahre zeigt einen beeindruckenden Baumbestand. Große Exemplare von Kastanien und Linden standen dicht an dicht. Die Gartenterrasse wurde in dieser Zeit zum Park hin zugepflanzt (Abb. 38). Die Strauchschicht als Unterpflanzung der Gehölzgruppen im Innenraum war in der übrigen Anlage schon entfernt. Damit war die Raumbildung gegenüber der von Kowallek geplanten stark verändert (Abb. 45). In dieser Zeit wurde der Stadtgarten schon maschinell gepflegt.

Mitte der 1990er Jahre verwüstete ein Sturm den Stadtgarten. Es entstand großer Schaden am Gehölzbestand, und besonders im Randbereich zur Spichernstraße fielen viele Gehölze aus (Abschnitt 3.7).

Mit Inkrafttreten des Gesetzes zum Schutz und zur Pflege der Denkmäler im Lande Nordrhein-Westfalen am 30.7.1980 wurde der Stadtgarten mit seinem Gärtnerhaus unter Schutz gestellt.

Seit Juni 1999 tagte der Themenkreis „Beruhigung des Stadtgartenquartiers“ (hier noch unter Beteiligung des Stadtkonservators und des Grünflächenamtes Köln) im Stadtgartenrestaurant, der sich neben vielen anderen Themen zum Wohnquartier auch mit der Erhaltung des Stadtgartens befasst. Die Arbeitsgruppe aus Anwohnern, dem Stadtgartenrestaurantführer und interessierten Bürgern gründete Anfang 2000 den Verein „Pro Stadtgarten e.V.“

 

3 Die Anlage heute - Bestandsanalyse

Der heutige Bestand des Stadtgartens ist auf Blatt 4 dargestellt. Blatt 5 zeigt die Analyse des heute vorhandenen Baumbestandes und die Raumbildung durch Gehölze. Weil keine aktuelle Kartierung existiert, wurde als Grundlage die Gehölzkartierung von 1987 benutzt und durch Kontrollmessungen sowie die Aufnahme der heute vorhandenen Gehölze, der bestehenden Wegeverbindungen und der Ausstattung aktualisiert.

 

3.1 Das Umfeld des Stadtgartens

Der Stadtgarten im Westen der Kölner Innenstadt ist heute im Süden und Osten von dichter fünfstöckiger Blockrandbebauung mit Wohn- und gewerblicher Nutzung umgeben. Im Norden grenzt die Rückseite der Wohnbebauung der Gilbachstraße an die Anlage (Abb. 81). Als Neubau entsteht derzeit gegenüber dem Stadtgartenrestaurant auf der Venloer Straße ein mehrstöckiges Geschäftshaus mit Glasfassade und Dachbegrünung, das eine seit vielen Jahren bestehende Baulücke schließt.

Die südwestlich an den Stadtgarten grenzende Venloer Straße ist eine Hauptverkehrsstraße. Im Osten liegt die nur wenig befahrene, aber dicht beparkte Spichernstraße. Im Westen begrenzt die Bahnstrecke Köln-Koblenz den Stadtgarten.

An diese schließt sich der Innere Grüngürtel an, doch der Bahndamm schiebt sich als starke Barriere dazwischen. Das ehemalige Rangiergelände nördlich des Parks (nördlich der Gilbach- und der Gladbacher Straße, vgl. Blatt 1, Freiflächen in der Umgebung des Stadtgartens) ist Mitte der 1990er Jahre zum „Mediapark“ umgestaltet worden. Er vervollständigt als neue landschaftlich gestaltete Erholungsanlage mit großem Kinderspielplatz das Kölner Grünflächensystem und wird gut von der Bevölkerung angenommen. Die beiden Anlagen sind fußläufig miteinander verbunden, und über eine Brücke über die Eisenbahngleise besteht die Anbindung an den Inneren Grüngürtel. Auch über die Venloer Straße ist der Stadtgarten in Form einer Eisenbahn-Unterführung mit dem Gürtel verbunden.

Eine gute Wegeverbindung besteht vom Stadtgarten ins Stadtzentrum über die Herwarthstraße an der Christuskirche und den Kaiser-Wilhelm-Ring, einer in den 1990er Jahren restaurierten Schmuckanlage des Promenadenringes von Köln.

 

3.2 Aktueller Bestand und Erscheinungsbild der Anlage

Seit Jahren wird der Stadtgarten wegen knapper personeller und finanzieller Mittel nur vereinfacht gepflegt. Die Instandhaltung der Gesamtanlage ist auf das nötigste beschränkt. Um die maschinelle Pflege zu erleichtern, wurde die Gestalt des Parks schematisiert, die Wegebreite an die der Pflegefahrzeuge angepasst. Der schlechte Zustand der Anlage wird besonders an den Gehölzen, den Wiesenflächen, den Wegen und dem Gärtnerhaus deutlich.

Die unsensible, unkoordiniert erscheinende „Pflege“ der Anlage gefährdet den Altbaumbestand mit seinem empfindlichen Wurzelbereich, das vorhandene sanierte Wegesystem und die historische Einfriedigung. Durch das Befahren mit Pflegefahrzeugen sind große Bereiche um die Terrasse und neben den Wegen ohne Grasnarbe. Die Mauer zerstörende Gehölze werden nicht entfernt, ausgefallene Bäume offensichtlich planlos und oft sogar in anderer Anzahl und Gattung und auf anderem Standort ersetzt. Die Pflanzungen in den Randbereichen, nördlich vom Restaurant und am Spielplatz sind verwildert und viel zu dicht. Durch die Entfernung der Strauchschicht im Innenraum der Anlage zur Erhöhung der Sicherheit und Sauberkeit und durch Baumpflanzungen auf ursprünglich gehölzfreien Wiesen ist die Anlage räumlich weniger differenziert als früher. Der Stadtgarten ist heute ein Hain.

Auch durch die heutigen Nutzungen entstehen dem Stadtgarten Schäden. Manche Besucher stellen ihre persönlichen Nutzungsinteressen über die der anderen Erholungssuchenden und gefährden mit ihrer Rücksichtslosigkeit auch gegenüber der Anlage den historisch überkommenen Bestand. Das verstärkt seit den letzten Jahren auftretende Grillen im Stadtgarten trägt zur seiner Verschmutzung, das Fußballspielen auf den Liegewiesen und das Radfahren zu seiner langsamen Zerstörung bei. Im Gegensatz zu den kaum erwähnenswerten, weil seltenen Graffitis auf Ausstattungsgegenständen stellen die Verunreinigungen der Anlage durch freilaufende Hunde das Hauptproblem im Stadtgarten dar. Durch Hundekot entstehen im Boden Nitrate, die den Baumbestand schädigen.

Es müssen unbedingt Lösungen gefunden werden, den Stadtgarten als von der breiten Öffentlichkeit als Erholungsstätte nutzbaren Stadtteilpark mit seinem historisch überkommenen Bestand zu erhalten.

 

3.3 Zustand und Nutzung der Parkbauten

Das Stadtgartenrestaurant ist über zwei Zugänge und eine Zufahrt von der Venloer Straße erschlossen. Vom Park aus kann es von Osten über die Terrasse und einen Weg erreicht werden. Als Haupteingang in das Gebäude dient heute der ehemalige Nebeneingang im Osten, während der ehemalige Haupteingang im Süden nur vom Personal genutzt wird. Das Gartenrestaurant wird über die Einfahrt von der Venloer Straße beliefert, die – ebenso wie der Restaurantvorplatz – zugleich den Beschäftigten als Parkplatz dient. An dieser Einfahrt sind neben dem Restaurant auch die Wertstoffcontainer für die umliegenden Wohngebiete aufgestellt.

Das heutige Stadtgartenrestaurant besteht im Kern aus dem um 1890 errichteten Restaurationsgebäude und den nach dem Zweiten Weltkrieg hinzugefügten Erweiterungen. So schließen u.a. im Westen und Norden ein das alte Gebäude an Höhe und Breite überragender Komplex und im Osten zwei kleine Anbauten für den Ausschank auf der Gartenterrasse an. Diese Erweiterungen der letzten Jahrzehnte in unterschiedlichen Stilen, Farben und Formen (Fenster) geben dem Stadtgartenrestaurant ein unruhiges, unattraktives Aussehen.

Genutzt wird das Gebäude als Restaurant und Café. Im Saal finden kulturelle Veranstaltungen statt. Der alten Tradition des Stadtgartens folgend, werden dort mehrmals in der Woche Konzerte aufgeführt, die die Initiative Jazzboard organisiert. Die asymmetrische, unregelmäßig mit Bäumen bestandene Terrasse im Osten des Gebäudes wird im Sommer als Biergarten genutzt. Von der Gestaltung aus den 1950er Jahren ist bis auf die Dachkonstruktion der sogenannten „Tanzfläche“ und ihre Sandsteinstufen nichts mehr erhalten. Nur die Grundform der Terrasse ist heute noch erkennbar. Die „Tanzfläche“ ist leicht gegenüber der Terrasse erhöht, an ihrer provisorisch wirkenden Betonrandeinfassung sind starke Verfallserscheinungen erkennbar (Abb. 87). Die Gestaltung um den heutigen Haupteingang des Restaurants aus den 1980er Jahren wirkt mit den vielen Treppen und Rampen unübersichtlich. Die sich nördlich an das Lokal anschließende Terrassenfläche ist seit den 1990er Jahren teilweise von einer südländisch anmutenden leichten Architektur überstanden und mit Terrakottapflanzkübeln zum Park abgegrenzt. Diese Terrassenarchitektur ist in gutem baulichen Zustand.

Das als Fachwerkbau errichtete ehemalige Gärtnerhaus besitzt Eingänge von allen vier Seiten. Es ist durch die Vernachlässigung in den letzten Jahrzehnten in sehr schlechtem Zustand. Durch das schadhafte Dach konnte Wasser eindringen, Gebälk und Mauerwerk sind zum Teil sehr stark von biotischen Schädlingen befallen. Das Gebäude wird zur Zeit umfassend saniert und entsprechend seiner künftigen Funktion als Verwaltungssitz der Ena-Film GmbH teilweise umgebaut.

Der Zustand der Bausubstanz der Kirche St. Alban und des auf ihrem Gelände befindlichen eingeschossigen Kindergartengebäudes ist gut.

 

3.4 Erschließung und Einfriedigung

Heute ist der Stadtgarten über sechs Zugänge erreichbar: eine Einfahrt und einen Zugang von der Venloer Straße, zwei Eckzugänge (Ecke Venloer/Spichernstraße und Spichernstraße/Gilbachstraße), den Zugang am ehemaligen Gärtnerhaus gegenüber der Christuskirche (Spichernstraße) und ein Mitte der 1990er Jahre eingerichteter Übergang in den Mediapark im Nordwesten der Anlage. Für die Kirche und den Kindergarten besteht ein Zugang von der Gilbachstraße.

Grundsätzlich geht das heutige Wegesystem des Stadtgartens auf die von Kowallek geschaffene Anlage zurück. Veränderungen wurden mit einem Entwurfsplan von 1949 (Abb. 42) angestoßen, dem die Beseitigung von zwei Wegen folgte. Mit der Neugestaltung der Freifläche um das Stadtgartenrestaurant wurde auch dort der Wegeverlauf verändert. Vier der heute vorhandenen Wege wurden erst bei der Erneuerung des Wegebelags Mitte der 1990er Jahre ausgebaut (Blatt 6). Trotzdem ist der Rasen besonders im parkseitigen Bereich vor der Gartenterrasse durch die Biergartenbesucher stark trittgeschädigt. Ein Trampelpfad verläuft von der Venloer Straße über die Rasenböschung auf den ehemaligen Haupteingang des Stadtgartenrestaurants zu.

Die Wege haben überwiegend eine wassergebundene Decke, nur die Einfahrt zum Restaurant und der parallel zur Spichernstraße verlaufende Weg sind asphaltiert. Der Vorplatz des Stadtgartenrestaurants zur Venloer Straße hin ist teilweise mit Betonsteinpflaster befestigt, während die Gartenterrasse im Osten und Norden einen Kiesbelag hat (Blatt 4).

Bei der Sanierung der Wege wurde ihre Breite auf 2,50m bis 3,00m festgelegt. Ihre teilweise noch vorhandene Randeinfassung aus Grauwacke wurde dabei nicht wiederverwendet, aber im Erdboden belassen. Die halbkreisförmigen Ausbuchtungen an den Wegen waren schon vor der Sanierung nicht mehr vorhanden, müssen also schon bei den ersten Aufräum- und Sanierungsmaßnahmen nach dem Zweiten Weltkrieg aufgegeben worden sein. Die Wege sind heute in schlechtem Zustand. Die Wegedecke und Wegränder ohne Einfassung sind durch Pflegemaschinen zerfahren und von Fußgängern ausgetreten.

Der Stadtgarten liegt seit der Stadterweiterung 1881 um etwa vierzig bis achtzig Zentimeter über seiner abgesenkten Umgebung. Die den Park seit den 1890er Jahren umgebende Ziegelmauer mit Eckquadern aus Sandstein ist heute noch an der Spichern- und an der Rückseite der Bebauung der Gilbachstraße vorhanden. Kurze Mauerabschnitte bestehen an allen Zugängen an der Venloer Straße. An originalem Bestand im Binderverband als zweischaliges Mauerwerk aus dem 19. Jahrhundert sind der Abschnitt südlich und die gesamte Mauer nördlich des Gärtnerhauses und die zur Bebauung der Gilbachstraße (Abb. 65 und 66) erhalten. Die Gitter der Einfriedigung entlang der Spichern- und der Venloer Straße sind verschwunden, aber an Befestigungslöchern in den Sandsteinen der Mauerabdeckung an der Spichernstraße nachweisbar (Abb. 67). Gegen die Wohnbebauung der Gilbachstraße sind Zaun- und Pergolenelemente aus Gusseisen erhalten. Ob sie zum Originalbestand aus dem 19. Jahrhundert gehören, bedarf genauerer Untersuchung. Der ursprüngliche Mauerkopf ist dort durch eine Betonabdeckung ersetzt.

Erhebliche Schäden weist der Mauerabschnitt auf der Spichernstraße nördlich des Gärtnerhauses auf (Abb. 69). Ursachen sind der Wurzeldruck der Gehölze und besonders der Gehölzaufwuchs auf dem Mauerkopf, der sich aufgrund mangelnder Pflege ansiedeln konnte. Seine Wurzeln zerstören nach und nach das Mauerwerk. Nicht zuletzt tragen auch die Mauer überkletternde Parkbesucher zur weiteren Zerstörung bei.

Von den ehemals an allen Zugängen befindlichen Torbauten und Gittertüren besteht nur noch die rückgebaute Form des Torbaus am Zugang Spichernstraße/ Ecke Gilbachstraße (Abb. 63).

Etwa die Hälfte des Mauerabschnittes südlich des Gärtnerhauses bis zur Venloer Straße und die Mauerabschnitte an allen Zugängen zum Stadtgarten an der Venloer Straße sind nach dem Zweiten Weltkrieg neu aufgebaut worden. Sie gehören nicht mehr zum Originalbestand aus dem 19. Jahrhundert. Es wurden Ziegel eines später üblichen Formates im Kreuzverband (als einschaliges Mauerwerk) verarbeitet, der Mauerkopf wurde als Rollschicht ausgeführt. Efeu beginnt hier, das Mauerwerk zu zerstören. Zwischen Zugang und Zufahrt von der Venloer Straße direkt vor dem Stadtgartenrestaurant fehlt jegliche Abgrenzung. Eine Rasenböschung vor dem Gebäude wird gegen die Venloer Straße lediglich durch einen fünfzehn Zentimeter hohen Betonbordstein abgefangen.

Parallel zum Bahndamm verläuft ein Maschendrahtzaun, der teilweise von einer Betonmauer begleitet bzw. abgelöst wird. Davor befindet sich eine dichte Gehölzabpflanzung.

 

3.5 Das Relief

Das Gelände des Stadtgartens ist eben. Nur das Gartenrestaurant mit seiner Terrasse ist gegenüber der übrigen Parkanlage erhöht. Schon in der Neugestaltung durch Adolf Kowallek waren die unmittelbar vom Restaurant genutzten Außenbereiche leicht erhöht.

Auffällig ist eine Geländeerhebung in der Rasenfläche nordwestlich vom Lokal. An jener Stelle befand sich seit der Umgestaltung durch Anton Strauß ein kleiner Aussichtsplatz, den Kowallek bei der Neugestaltung beibehielt und der bis heute als Hügel, auf dem eine Ess-Kastanie und eine Ulme wachsen, erhalten ist.

 

3.6 Accessoires

Von der Ausstattung aus den früheren Anlagephasen ist nichts mehr erhalten, alle Ausstattungselemente stammen aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg.

Die zahlreichen Bänke bestehen aus einem Metallgestell mit Holzauflage und sind weiß gestrichen. Der Stadtgarten ist nachts durch Lampen in Laternenform im Stil der 1950er Jahre beleuchtet. Im westlichen Teil der Anlage befinden sich Lampen mit einem grünen Glaszylinder, die dem Park dort eine besonders geheimnisvolle Atmosphäre verleihen.

Die Ausstattung der Terrasse mit Tischen und Bänken stammt aus den 1980er Jahren, von der Ausstattung der 1950er Jahre ist nichts mehr erhalten. Gleiches gilt für die Spielplatzanlage, die in ihrem Grundriss aus den 1950er Jahren bis heute erhalten ist, deren Spielgeräte jedoch aus den letzten Jahren stammen.

Erst 1997 wurde die sogenannte „speakers corner“ eingerichtet. Sie befindet sich am ehemaligen Aussichtsplatz und wurde in Anlehnung an den Londoner Hyde Park als niedriges Podest mit einem entsprechendem Hinweisschild errichtet. Ihre Benutzung konnte nicht beobachtet werden, sie wirkt zudem unpassend.

 

3.7 Gehölzbestand und Raumbildung, Sichtbeziehungen und Blickachsen

Gegenüber dem um 1987 aufgenommenen ist der Baumbestand des Stadtgartens heute stark dezimiert. Dabei handelt es sich um sturm- und pflegebedingte Schäden. Sowohl sehr alte als auch Jungbäume verschiedener Gattungen sind weggefallen. Nur Platanen, Lärchen und Ginkgobäume blieben verschont. Am stärksten betroffen sind Pappel, Robinie, Spitz-Ahorn, Kiefer und Ulme, von denen in den letzten 13 Jahren jeweils über zehn Exemplare ausfielen. Über die Hälfte des Gesamtbestandes an Eschen-Ahorn, Fächer-Ahorn, Vogelbeere, Esskastanie und besonders Ulme ging verloren.

Auf Blatt 5 ist der Gehölzbestand, in einige Gattungen und einigen Arten unterschieden, dargestellt. Auch in der heutigen Artenverteilung lassen sich gewisse Charakteristika erkennen.

Auffällig ist zunächst, daß besonders die älteren Gehölze in größeren Gruppen einer Art, meist beidseitig eines Weges oder an einer Kreuzung, auftreten.

Platanen sind besonders an den beiden mittig gelegenen Kreuzungen im Norden der Anlage konzentriert. Ein einzelnes altes Exemplar auf der Wiese vor dem Restaurant stand ursprünglich an einem von Kowallek angelegten, heute nicht mehr existierenden Weg. Diese Platane hatte Kowallek aus dem Bestand übernommen. Auffällig ist auch das verstärkte Auftreten von Platanen auf dem ursprünglich von Kowallek angelegten Spielplatz. Auch Zierkirschen (Prunus serrulata ´Kanzan´) und verschiedene Arten von Linden treten verstärkt am Spielplatz in Erscheinung. Einige der Linden stammen noch aus der Anlage von Kowallek.

Ahorn ist im gesamten Stadtgarten häufig und relativ gleichmäßig verteilt, Konzentrationen treten in den Randbereichen auf, sehr alte Exemplare sind auf der großen nordwestlich liegenden Wiese besonders zahlreich vertreten. Sie überschirmten ursprünglich die mittlere Kreuzung zwischen den beiden „Platanenkreuzungen“ an einem seit den 1950er Jahren entfernten Weg. Der Verlauf dieses Weges aus der Anlage von Kowallek lässt sich an der Platzierung alter Hainbuchen und eines Schnurbaumes nachvollziehen. Im Nordwesten der Wiese an dem umlaufenden Weg vor der Kirche St. Alban, am Eingang Ecke Spichernstraße/Gilbachstraße sowie an der Einmündung von zwei Wegen in den Asphaltweg südlich des Gärtnerhauses treten verstärkt ältere Ahornbäume aus der Vorkriegszeit auf. Zwei alte Exemplare von Fächer-Ahorn befinden sich im Süden der Randbepflanzung zur Spichernstraße. Sie gehörten vermutlich zu den Blattschmuckpflanzen, von denen unter anderem schon Fritz Encke 1908 berichtete.

Jüngere Ahorn aus Nachkriegspflanzungen umstehen das Restaurantgebäude. Auffällig in der Randbepflanzung zu beiden Seiten des Gebäudes ist die große Anzahl von Robinien. Zwei große Trompetenbäume charakterisieren den Eingang und die Terrasse östlich des Lokals.

Während alte Exemplare verschiedener Eschen-Arten besonders in der Osthälfte des Parks dominieren und dort als Solitäre auf den Wiesen und in Gruppen in Kreuzungsbereichen gepflanzt wurden, treten Rosskastanien in gemischten Gruppen verstärkt in der Nordwesthälfte der Anlage auf.

Auch alte Rot-Buchen stehen als Solitärgehölze auf der Wiese östlich der Kirche St. Alban, Vorkriegspflanzungen dagegen in Nähe der „Platanenkreuzung.“

Nadelgehölze, wie die Kiefern am Gärtnerhaus und südlich vom Lokal, die Atlas-Zeder dort, aber auch die Lärchen aus Vorkriegspflanzungen sind selten. Willkürlich gepflanzt erscheinen Orient-Fichte und Colorado-Tanne nördlich des Restaurants.

In der gesamten Anlage, jedoch vorwiegend in den Randbereichen, fallen die heimischen Eiben und Stechpalmen in verschiedenen Altersstufen auf. Schon Strauß hatte diese Arten gepflanzt. Durch die ungenügende Pflege konnten sie sich unkontrolliert im Stadtgarten ausbreiten und bilden heute in Teilbereichen die Strauchschicht. Sie erhöhen den Anteil an immergrünen Gehölzen in der Anlage stark. Kornelkirsche, ursprünglich gezielt gepflanzt, hat sich ebenfalls stark ausgebreitet.

Heute gibt es drei Ginkgobäume im Stadtgarten, von denen zwei von Kowallek stammen; der dritte wurde nach dem Zweiten Weltkrieg gepflanzt (Abb. 41). Weitere seltene Arten, die im Stadtgarten vorkommen, sind Flügelnuss, Schnurbaum, Einblättrige Esche, Japanische Zierkirsche und Schwarznuss und junge Exemplare von Japanischer Zelkove, Immergrüner Eiche, Amberbaum und Persischem Eisenholz.

Bedingt durch ihr hohes Alter sind einige Gehölze aus der ursprünglichen Planung ausgefallen. So existieren die seltene Paulownie und Gelbe Pavie, für die der Stadtgarten früher bekannt war, heute nicht mehr.

Besonders die Randbereiche und die Flächen um den Spielplatz und nördlich vom Gartenrestaurant fallen durch mangelhafte Gehölzpflege auf. Die Großgehölze stehen viel zu dicht und bedrängen sich gegenseitig. In diesen Bereichen sind auch die größten Ausfälle von Neupflanzungen in den letzten Jahren zu verzeichnen.

Kennzeichnend für Anlagen im landschaftlichen Stil ist die spezifische Raumgliederung mit Gehölzen. Der heutige Gehölzbestand im Stadtgarten bewirkt eine ganz andere räumliche Struktur als Kowallek geplant hatte (Blatt 5, Raumbildungen). Natürlich ergeben sich Veränderungen allein dadurch, daß Pflanzen an Höhe und Umfang zunehmen, vergreisen und letztendlich absterben. Durch entsprechende regelmäßige Pflege lassen sich diese Veränderungen aber weitgehend steuern.

Die heutige Raumbildung im Stadtgarten ist durch mangelnde Gehölzpflege, Neupflanzungen und die Beseitigung der Strauchschicht im Innern der Anlage grundlegend verändert. Während der Platz vor dem Restaurant Durchblicke zur Venloer Straße öffnet, kennzeichnen dichte schattige Räume den Bereich nordöstlich des Stadtgartenrestaurants und die Kinderspielanlagen. Kowalleks Entwurf dagegen sah eine weitgehende Schließung des Raumes vor dem Restaurant zur Straße und eine Öffnung des Gebäudes und der Terrasse zum Garten hin vor. Die Spielplatzanlage besteht heute aus drei relativ abgeschlossenen Teilräumen.

Licht und Weitläufigkeit kennzeichnen nach wie vor den sich nördlich an Restaurant und Spielplatz anschließenden Gartenraum. Die „lange Rasenbahn“ ist jedoch teilweise zugewachsen, teilweise aber auch zugepflanzt worden. Sie beginnt heute auf der Wiese nördlich vom Restaurant (ursprünglich auf der Terrasse) und endet in Höhe des Gärtnerhauses. Kleinere Teilräume schließen sich in nördlicher Richtung an den großen, noch bestehenden Wiesenraum an. Die typische Raumbildung durch die Unterpflanzung der Großgehölze fehlt vollkommen. Die dichte Umpflanzung der Anlage ist heute noch vorhanden, jedoch ist der ursprünglich weitgehend geschlossene Bestand am Eingang Spichern-/ Ecke Gilbachstraße durch den Ausfall mehrere Großgehölze und Beseitigung der Strauchschicht regelrecht aufgerissen und gibt den Blick auf die Straße fast ungehindert frei.

Schon in der Planung von Kowallek bestanden Blickbeziehungen in die Umgebung des Stadtgartens, so nach Osten über das Dach des ehemaligen Gärtnerhauses zur Christuskirche. Neu als Blickpunkt hinzugekommen ist nach Westen, über die Bahngleise hinweg, der Fernsehturm der Deutschen Telekom (Abb. 78 und 79).

Durch den sturmbedingten Gehölzausfall entstanden an der Spichernstraße Durchblicke auf den angrenzenden Straßenraum und die weiter entfernte Bebauung. In Richtung Gilbachstraße wurde zum Schutz vor Verunreinigungen das Unterholz entfernt, so daß hier neue Durchblicke zur rückwärtigen Fassade dieser Häuserzeile freigegeben werden.

Auch von außerhalb bestehen Blickverbindungen in den Stadtgarten hinein, die schon Kowallek vorgesehen hatte: Von der Wohnbebauung der Spichernstraße auf die Anlage und von den Straßenzügen um die Christuskirche (Herwarth- und Kamekestraße) auf das Gärtnerhaus, den Zugang dort und in den Stadtgarten hinein.

Innerhalb der Anlage wird die Sicht nur durch den dichten Baumbestand eingeschränkt. Aufgrund der fehlenden Strauchschicht kann man unter den Baumkronen hindurch fast von einem Ende des Stadtgartens zum anderen blicken. Die „Rasenbahn“, eine ehemalige Sichtachse, ist im Vergleich mit der früheren Planung zugewachsen und verkürzt.

 

3.8 Gartenhistorische Einordnung des Bestandes im Stadtgarten

In den vorangegangenen Kapiteln wurde bereits versucht, einzelne Bestandteile in der Parkanlage den verschiedenen Anlagephasen zuzuordnen. Bedingt durch die schlechte Quellenlage lassen sich besonders die nach dem Zweiten Weltkrieg hinzugefügten oder veränderten Teile nur ungefähr zeitlich zuordnen. Einige Veränderungen sind überhaupt nicht dokumentiert und nur durch die genaue Untersuchung des Bestandes festgestellt worden. Die Zuordnung des heutigen Bestandes der Anlage zu den Anlagephasen ist in Blatt 6 dargestellt.

Was von der Baumschule mit Schmuckanlage von Jakob Greiß bis heute erhalten blieb, lässt sich nicht eindeutig feststellen. Sicher ist, daß viele Gehölze aus der Baumschule bei der Umgestaltung durch Strauß weiterverwendet wurden und vielleicht stammt das eine oder andere heute vorhandene Exemplar noch aus dieser Anlage. Ein Nachweis darüber lässt sich jedoch schwer und vielleicht nur nach dem Absterben der Bäume und Auszählen der Jahresringe erbringen (und selbst dann mit der Einschränkung, daß auch später oft Großbäume verpflanzt wurden).

Dem Zeitraum, in dem der Stadtgarten als landschaftliche Parkanlage mit waldartigem Charakter bestand, sind verschiedene Gehölze und die hügelartige Erhebung nördlich des Restaurationslokals zuzuordnen. Die Erhebung ist ein ehemaliger Aussichtsplatz in der von Anton Strauß entworfenen Anlage. Die Platanen an den Kreuzungen im Innenbereich, der Schnurbaum im Nordwesten der Anlage, eine Schwarznuss und eine Gemeine Esche stammen aus dieser Anlagephase. Damals wurden auch die Zugänge Spichernstraße/Ecke Venloer Straße und Spichernstraße/Ecke Gilbachstraße konzipiert.

Die Grundstruktur der heutigen Anlage geht auf die Neugestaltung des Stadtgartens im gemischten Stil durch Adolf Kowallek zurück. Das ehemalige Gärtnerhaus, der Kern des heutigen Stadtgartenrestaurants und der Hauptteil des heute vorhandenen Wegesystems stammen aus dieser Zeit. Die beiden Zugänge an der Venloer Straße und der an der Spichernstraße (gegenüber der Christuskirche) sind ebenso wie ein Großteil der Ziegelmauereinfriedigung an Spichern- und Gilbachstraße dem Bestand der Anlage von Kowallek zuzuordnen. Bauliche Rudimente der Torbauten an der Spichernstraße/ Ecke Gilbachstraße gehen ebenfalls auf diese Anlagephase zurück. Platanen und Linden im Spielplatzbereich, Kastanien, Hainbuchen, Eschen, eine Eibe, eine Vogelkirsche und besonders zwei der heute vorhandenen drei Ginkgobäume repräsentieren diesen Zeitraum. Der Spielplatz befindet sich nach wie vor an dem von Kowallek dafür bestimmten Standort.

Ein weiterer Teil des Baumbestandes muss noch vor dem Zweiten Weltkrieg gepflanzt worden sein, so verschiedene Ahornarten in Gruppen (besonders Berg- und Spitz-Ahorn, aber auch zwei Exemplare von Fächer-Ahorn, die jedoch auch schon von Kowallek stammen könnten), eine Atlaszeder an der Venloer Straße, einen Trompetenbaum, Eschen, Kastanien, Linden, Buchen und Hainbuchen, aber auch die Gruppen von Lärchen und Kiefern.

Die ursprünglich konzipierte und für eine Anlage im gemischten Stil charakteristische räumliche Wirkung ist heute völlig verändert. Mit der Entnahme der Strauchschicht im Innenraum und die Verstellung von Sichtachsen durch Neupflanzung von Bäumen erhielt der Stadtgarten einen ganz anderen räumlichen Charakter. Dennoch geben die Wegeführung, überkommene Baulichkeiten und die Zusammenstellung und Anordnung der alten Gehölze ein gutes Bild von der ursprünglich geplanten Anlage. Betrachtet man den überkommenen Bestand aus den verschieden Anlagephasen des Stadtgartens, so ist eindeutig feststellbar, daß er auch heute noch Zeugnis und Zeuge vergangener Zeiten ist.

[Home] [der Verein] [der Park] [die Projekte] [Impressum]